Richtigstellungen: DER SPIEGEL 1992 – Vor 20 Jahren

22 Jan

Im Jahr 1992 veröffentlichte DER SPIEGEL in seiner Ausgabe Nr. 18 auf den Seiten 110 und 113 den folgenden Artikel.

In der „Sektion“ Rechtsextremisten

unter der Überschrift Dürstende Jugend

Ein Münchner Yuppie will neuer Anführer der militanten Neonazis werden.

[Althans:] Erstmals wird hier der Text von mir auf meinem privaten BLOG zitiert und kommentiert. Der zitierte Text, der sich in vollem Umfang auf meine Person bezog, wurde in normaler Schrift belassen, meine Anmerkungen und Zitate aus Belegen und Dokumenten werden in kursiv abgefasst. Im Artikel wurden nicht die hier veröffentlichten Bilder verwendet.

Toronto Ramada_jpg

[DER SPIEGEL schrieb:] So einer hat dem rechtsextremen Lager noch gefehlt: ein Kerl, der sich in Discos und Edelrestaurants rumtreibt, modische Panamahüte und Seidenhemden trägt und sich eine Luxuswohnung mit Marmorfliesen leistet – das alles womöglich auf Kosten der Kameraden an der Front.

[Althans:] Der Besuch von „Discos“ ist meines Erachtens das Normale, wenn man als junger Mensch andere Menschen kennen lernen will. Erstmals habe ich in Toronto 1988 solche Läden besucht – von Anfang an – wenn auch vollkommen verklemmt und schüchtern – auch einschlägige (schwule) Clubs. Was ich dort sah (eine große Anzahl junger, gleichaltriger Schwuler) verschlug mir erst einmal die Sprache. „Edelrestaurants“ ist wohl eher übertrieben – natürlich verkehrte ich in Restaurants, natürlich sind davon viele in München vergleichsweise teuer. Aber es waren schon eher Biergärten (auf dem Viktualienmarkt / Augustiner), das Lindwurmstüberl (beste Küche Münchens), die zu meinen Favoriten gehörten. Einen „Panamahut“ habe ich nie besessen oder getragen, Hüte habe ich generell niemals aufgesetzt. Selbst im Winter tue ich mich bis heute schwer, eine Mütze aufzusetzen. Auch ein „Seidenhemd“ habe ich noch nie im Leben (weder damals noch heute) besessen. Ich war – meistens bei Wormland einkaufend – dem allgemeinen „Chic“ der Zeit wohl angepasst. Mein scheinbar guter Geschmack überzeugte wohl durch eher gediegenes Auftreten. Inmitten meines Coming-Out war durch nebenberufliche Tätigkeit meinerseits finanziell etwas Unabhängigkeit von meinem damaligen Gehaltszahler Zündel entstanden. Die beschriebene Wohnung habe ich von Freunden günstig vermittelt bekommen. Ein Leben im immer stärker von politischen Gegnern attackierten Laden war für mich nervlich nicht mehr zu ertragen. Die schöne Ausstattung der neuen Wohnung verdankte ich lediglich dem Umstand, dass diese zuvor vom Sohn des Hauseigentümers während dessen Studienzeit bewohnt worden war und dieser sie daher so herrlich eingerichtet hatte.
Niemals habe ich – trotz nicht Enden wollender Gerüchte von Neidern und Gegnern – Spendengelder für private Aufwendungen genutzt.

Toronto_JPGAlthans, 1992 in München

[Der Spiegel:] Doch dieser Yuppie-Typ Bela Ewald Althans, 26, der in München mit Szenegeldern seine PR-Agentur „Althans Vertriebswege und Öffentlichkeitsarbeit“ (AVÖ) finanziert, ist drauf und dran, neuer Vordenker der militanten Neofaschisten Deutschlands zu werden: Er will eine „Brücke schlagen“ zwischen grölendem Fascho-Volk und feineren Jungdeutschen, die er denn auch auf Tanzböden und Partys anmacht.
Althans („Hitler ist für mich ein Held“) strotzt vor Selbst- und Sendungsbewusstsein. „Ich bin“, sagt er, „kein Verführter, ich bin der Verführer.“

[Althans:] Das Münchner Büro bzw. Ladengeschäft mit angeschlossener Wohnung wurde etwa drei Jahre lang ausschließlich von Samisdat Publishers LTD; Ernst Zündel finanziert. Zusätzlich bekam ich ein eigenes Gehalt und Auslagen aus Kanada. Dafür habe ich entsprechende Gegenleistungen erbracht. [Mehr an anderer Stelle] Durch prägende Kontakte und eine enorme Belesenheit (die mehr als 10.000 Bücher und Schriften befinden sich im IISG-NL – siehe BLOG hier, andere Stelle) sowie den vielen Besuchen von Seminaren, Veranstaltungen, Tagungen usw. verfügte (und verfüge) ich über ein überdurchschnittliches Sach-Wissen.

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links: Teil der Privat-Bibliothek – Wohnung rechts: Archiv im Büro des AVÖ – München 1991

Den Nimbus eines „Vordenkers“ mag ich annehmen, irgendwie gilt dieser bis heute. An anderer Stelle werde ich an Beispielen darlegen, wie oft ich in der Tat VOR-gedacht habe. Zur Erinnerung sei nur der Vorfall in meiner Schulzeit erwähnt, bei dem ich bereits 1982 (oder ’83) gegen die Behauptung im Lernstoff protestierte, die Massenmorde von Katyn seien von Deutschen Soldaten verübt worden.

Der Fall KATYN ist für meinen Lebensweg von großer Bedeutung gewesen. Vergessen wir nicht, dass für diese den Deutschen vorgeworfenen Verbrechen, die auch in Nürnberg von den Sowjets in den Beschuldigungen gegen die Angeklagten vorgebracht wurden, in den Jahren 1948-49 eine ganze Reihe „Schuldiger“ in einem Kriegsverbrecherprozess in Polen zum Tode verurteilt worden waren. Meinem Aufbegehren in der Freiherr-vom-Stein-Schule folgten eine Klassenkonferenz und darauf ein Teilnahmeverbot am Geschichtsunterricht. Von einem wissbegierigen, guten Gymnasialschüler war am Schluss nur noch ein Außenseiter übrig, der nicht einmal zu seiner eigenen Abschlussfeier kommen durfte. Im Anschluss folgte das „Quasi-Abiturverbot“ (noch immer war ich KEIN NeoNazi) – durch dessen Bekanntwerden ich erstmals in „rechten Kreisen“ prominent wurde und unter die Fittiche von Persönlichkeiten wie Prof. Werner Georg Haverbeck, Prof. Dr. Bernhard Willms und anderen genommen wurde. Erst im Jahre 1989 entschuldigte sich M. Gorbatschow offiziell beim Deutschen Volk für diese Kriegs-Propaganda-Lüge (DER SPIEGEL brachte es auf dem Cover, soweit ich mich erinnere). Bei mir – dem damals Weichen in Richtung Radikalisierung und Ausgrenzung durch unrechte Behandlung gestellt wurden – hat sich bis heute niemand entschuldigt.

Volker Heidel*1, der bereits 1984 eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen sollte, erklärte mir 1985 angesichts der chaotischen Zusammenrottungen merkwürdigster Gestalten in der FAP: „Nun, die SA haben wir schon, nun aber gilt es, eine politische Bewegung daraus zu formen.“ – Kurz will ich mich noch über den Begriff „FASCHOS“ ärgern: Niemals haben sich die NeoNazis als Faschos gesehen – Faschisten (unter anderem Mussolini und der „Austrofaschist“ Dollfuss, der von den Nationalsozialisten 1934 ermordet wurde) waren wie Nationalrevolutionäre, Nationaldemokraten und auch Nationalbolschewisten verpönt. Ich stand damals als relativ Gebildeter mit wenigen anderen in einer Menge von vollkommen ungebildeten und unideologischen Aktivisten….. Wohin sollte das führen ? Nie war es mein Bestreben, Anführer der Militanten zu werden – sondern es ging mir um das Vermitteln von Bildung, das Erarbeitens von Ansichten und Ideen. Aussagen wie „Hitler ist für mich ein Held“ sind aus heutiger Sicht natürlich peinlich. Sie sind aber der jugendlichen Aggression einerseits und der polit- provokativen Sprengkraft andererseits geschuldet und sollten somit nicht überbewertet werden. Immerhin galt es „Presse“ zu machen, da bedurfte es schon etwas Salz in der Suppe.


[Der Spiegel:] Schon jetzt sieht sich der Münchner mit dem Gardemaß von 1,93 Meter in der Führungsschicht der Neonazis als die „auffälligste Person“ unter „lauter Auslaufmodellen und Karikaturen“. Sein „Deutsches Jugendbildungswerk“ (DJBW), zu dessen „Amtsleiter“ er sich selbst bestellt hat, sei die „Schaltstelle für die ganze Szene“, die von Verfassungsschützern auf rund 39 000 Personen geschätzt wird. Das DJBW repräsentiere, so der Chef, „die gefährlichste, modernste und revisionistischste Jugendgruppe Deutschlands“.

Paris Ogmios bei Fontainebleau

Erster Schulungsort des DJBW – südlich von PARIS 1988

[Althans:] Unwesentlich, dass ich 196cm groß bin. Wesentlich aber, dass das DJBW letztendlich zwei ursächliche Gründe (neben der fehlenden Ideologie der „eigenen Kameraden“) hatte: Zum einen war es das seit dem Besuch im Collegium Humanum/Vlotho [siehe Artikel im BLOG] und des sich daraus ergebenden fortdauernden Dialoges mit Raimund Bachmann zum anderen den mittlerweile regelmäßigen Besuchen bei Willy Krämer geschuldet, etwas wie das DJBW zu gründen. Da gerade erst das Verbot der ANS/NA hinter uns lag und Michael Kühnen vom Ausland aus über seine Altgedienten das nur 10-monatige Experiment der ANS in irgendeiner Weise erhalten wollte, wurden einerseits die bekannten Leserkreise der NEUEN FRONT gegründet, andererseits aber Hierarchien gepflegt und gefestigt mittels des KAH [Komitee zur Vorbereitung des 100. Geburtstages Adolf Hitlers]. Zwei Dinge waren den damals führenden Personen des Ex-ANS Lagers an mir aufgefallen: Mein guter Draht zu Älteren in der Szene und meine offenen Kontakte in alle Richtungen. Und so wurde im März 1986 das DJBW gegründet. Gründungsort war das Haus von Karl Polacek in Mackenrode im Harz.

Börner Brehl Althans

Uwe Börner, Thomas Brehl und Althans – 1984 zur Wintersonnenwende in Mainz-Gonsenheim / Gärtnerei Müller

Ich wurde von Thomas Brehl mit Urkunde (KAH – stellv. Vorsitzender) zum Referatsleiter ernannt, was mir, solange ich in den neonazistischen Kreisen blieb, eine besondere Position gab. [zu diesem Thema muss und werde ich in meiner Biografie ausführlich berichten] Stellvertreter wurden Uwe Börner (Chemnitz – später auch geheimer Sonder-Referatsleiter OST) und Frank Rennicke! Das DJBW zog ich immer wieder mit mir bzw., an mich – es verblieb nicht in der „Bewegung“ sondern blieb Bindeglied verschiedenster Denker aus allen politischen Richtungen.

DJBW Julfest Fam. Bachmann

(l.) Althans -(4.v.l.) Frank Rennicke (ganz r.) Raimund Bachmann – Hotel Kaiserin Elisabeth, Starnberger See, Julfeier 1985

Von einem Landesvorsitzenden der Grünen über Wiking-Jugend und Neruther Wandervogel über Bundeswehr und Burschenschaft bis hin zu Neonazies und Einzelgängern fanden sich etwa 60 – 100 Personen im engeren Kreis unregelmäßig zusammen. Es gelang mir dabei unter anderem zeitweilig in Paris, dann in Hochscharten und zum Schluss in Vellexon große Gebäude (Schlösser) dem DJBW nutzbar zu machen und dort auch neben Tagungen internationale Veranstaltungen durchzuführen.

Hochscharten Vorderhaus

Schloss Hochscharten 1991 – Nieder-Österreich – Heimstätte des DJBW

[Der Spiegel:] Smart, kultiviert und redegewandt – der adrette Jung-Nazi, für den randalierende Skinheads nur nützliche „Deppen“ sind, könnte einer der gefährlichsten Demagogen im rechten Spektrum werden. „Der hat alles, was den anderen fehlt“, sagt der Berliner Verfassungsschützer Bernd Wagner, „der kann auf allen Klaviaturen spielen.“
Althans wurde sogar schon im Ausland, von der amerikanischen Zeitung International Herald Tribune, als „wichtigste Figur in Deutschlands wachsender Neonazi-Bewegung“ ausgemacht. Tatsache ist, dass der Münchner als potentieller Nachfolger des einstigen Chef-Nazis Michael Kühnen gehandelt wird, der im April vorigen Jahres an einer Aids-Infektion gestorben ist.

[Althans:] Ein knappes Jahr nach Kühnens Tod suchte die Presse nach dem „neuen Führer“ . Zwar hatte ich immer einen mehr oder weniger festen Kreis an Menschen um mich herum gehabt. Auch wusste ich – solange mit Zündel zusammen arbeitend, gut mit dem Nutzen von Kräften und dem Organisieren von Veranstaltungen umzugehen. Doch waren sichtbare Erfolge – etwa die Veranstaltung im Löwenbräukeller und der Leuchterkongress, der letztendlich in Form einer Mahnwache vor dem Tagungsort stattfand, eher taktischem Geschick zu verdanken. Immerhin brachte ich immer wieder Menschen in Veranstaltungen zusammen, die ansonsten ihre Zeit eher mit dem Abgrenzen voneinander verbrachten. Dabei ging es mir letztendlich immer und ausschließlich um die Durchsetzung der „Botschaft“ in der Öffentlichkeit – ein Bestehen in der „Szene“ selbst war mir eher unwichtig. Der Artikel in der HERALD TRIBUNE war nichts anderes als die englische Abschrift des Artikels von Wolfgang Wüllenweber aus der „Berliner Zeitung“ („Smarter Jungnazi verführt die Deppen“). Da stand ich also – ein „Führer“ ohne Gefolgschaft – ein wortgewaltiger Einzelner, der sich der Spielmittel der Politik zu bedienen wusste. Mittels der Pressekampagne, die nun begann (und von der ich mich durchaus zu Anfang geschmeichelt und oft auch gut bezahlt sah) begann das eigentlich Erhoffte: der Dialog. Doch weit gefehlt – es wurde über mich gesprochen – nicht mit mir! Und so begann die „Medienperson Althans“ ein Eigenleben zu entfalten, unter dem ich bis heute zu leiden habe. Währenddessen aber war mein Denken und Handeln, das Auftreten und Wirken von stetigen Veränderungen begleitet.

Muc Löw Stage Muc Löw Saal

Löwenbräu-Keller München – WAHRHEIT MACHT FREI – links: Althans spricht, 3.v.l. DAVID IRVING — rechts: Über 800 Personen im Saal

[Der Spiegel:] Denkbare Rivalen sind der Hamburger Christian Worch, 36, Anführer der „Nationalen Liste“ mit einigen Dutzend Anhängern, und der österreichische NS-Rambo Gottfried Küssel, 33, Vormann einer etwa 120 Mitglieder starken „Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition“, der allerdings vorerst im Knast sitzt, weil er öffentlich die Wiederzulassung der NSDAP gefordert hat.

[Althans:] Christian Worch und ich hatten immer einen guten Dialog geführt – sehr oft waren wir aber unterschiedlichster Ansichten. Dennoch sahen wir in Zweckbündnissen Sinn und verstanden es, zur erfolgreichen Durchsetzung gleicher Ziele gut zusammen zu arbeiten. Grundlegender Unterschied zu Worch war meine Ablehnung des parteipolitischen Handelns. Ich glaubte, dass mit dem Aufbrechen von Denkweisen eine Dynamik in der Öffentlichkeit entstünde, durch die dann die Karten automatisch vollkommen neu verteilt würden. Auch mit Gottfried Küssel, den ich als sehr umgänglich und lustig in Erinnerung habe und mit dem mich damals meine ja frühe zeitgleiche Einstiegszeit in den Neonazismus verband, hatte ich immer ein unkompliziertes Verhältnis. Natürlich bin ich wegen meines „Verrats“ – oder anders, vielleicht besser formuliert „Treuebruchs“ bei beiden Genannten heute komplett unten durch. Zumal ich zumindest bei Küssel auch eine Verachtung meiner heute offen gelebten Veranlagung (schwul) vermute.

Hess-Demo Küssel Althans

Gottfried Küssel und Althans auf dem Weg zum RUDOLF HESS Gedenkmarsch nach Bayreuth 1991

[Der Spiegel:] Der Agitator Althans ist das Produkt einer systematischen Schulung von Kindesbeinen an. Schon mit 13 Jahren wurde er in seiner niedersächsischen Heimat wie ein Wunderknabe in den Zirkeln von Altnazis und Nationalkonservativen herumgereicht.

[Althas:] Das ist natürlich so nicht richtig. Erst im Alter von 16 Jahren stieß ich auf das DKEG (Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes) und dessen Hannoveraner Leiterin Lotte Oppermann (damals 88). Sie und eine Reihe ihrer Freunde schlossen mich sofort in ihr Herz. Auch hierüber wird an anderer Stelle im Detail zu berichten sein. Ein kleiner „Wunderknabe“, so hofften zumindest meine Eltern, schien ich dennoch zu sein. Begeistert und begabt spielte ich Trompete. Das Musikalische aber auch unersättlicher Wissensdurst ließen mich bis zur 7. Klasse zudem mit Leichtigkeit den Lehrstoff begreifen.


[Der Spiegel:} Gleich zwei weltanschauliche Ziehväter verpassten dem Ewald NS-Philosophie und Rednerschliff: der inzwischen gestorbene Willi Krämer, einst Sonderreferent von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, und Otto Ernst Remer, 79, ehemals Kommandeur des „Wachbataillons Großdeutschland“. Zu Remer entwickelte Althans sogar „beinahe familiäre Bindungen“.

Gen.Maj.O.E.Remer 1944 Gen.Maj.O.E.Remer

Gen.Maj.a.D. (links 1944) Otto Ernst Remer (rechts 1990 im Mövenpick – München) ehem. Kommandeur des Wachbataillons Großdeutschland

[Althans:] Zuerst waren es Haverbeck und Krämer, die eine geistige Auseinandersetzung mit mir führten. Nachdem bei der DVU (die damals politisch eher unbedeutend war aber eine Menge Menschen über ihre Wochenzeitungen u.a. „Nationalzeitung“ mobilisieren konnte) der „2. Weltkriegs-Held“ Oberst a.D. Rudel verstorben war, versuchte dieser Kreis Gen.Maj.a.D. Otto Ernst Remer als neue Symbolfigur einzubinden. Remer, ein ausgesprochen guter Redner, war erst vor Kurzem aus Afghanistan zurück in die BRD gekehrt. Doch statt das Angebot der DVU anzunehmen, wollte er seine eigene Idee umsetzen: die DDF (DIE DEUTSCHE FREIHEITSBEWEGUNG) Im Gegensatz zur DVU, die ein eher pro-westliches (pro-amerikanisches) Wesen auszeichnete, vertrat Remer die Ansicht, dass nur in der Verständigung mit der Sowjetunion ein politischer Weg zu gehen sei. Diesen „Geist Bismarcks“, wie er es nannte, wollte er zum Signal einer neuen rechten Sammlung machen. Zumindest in den Kreisen der älteren Nationalen kam das gut an – zumal man eben irgendwie doch auf „den neuen (An-)Führer“ wartet(e).

Ich begegnete Remer erstmals auf einer DVU-Veranstaltung in Hannover im Herbst 1983. Da ich zu dieser Zeit bereits regelmäßig Freitags in der Villa Oppermann meinen NJD-Abend (NJD: Nationale Jugend Deutschland) veranstaltete, lud ich Remer ein, doch mal auf einer von mir organisierten Veranstaltung zu sprechen. Er hielt damals in ganz Deutschland immer wieder Vorträge über seine „Bismarck-Politik“. Remer folgte dieser Einladung dann auch tatsächlich im März 1984 und traf dort nicht nur auf mich sondern auch auf Michael Kühnen. (siehe weiter unten im Text) Der Kontakt zu Remer, dessen Zeitung ich regelmäßig in größerer Stückzahl zur Weiterverteilung bekam, blieb sehr dünn bis etwa 1986. Für die Zeitung begann ich allerdings, unentgeltlich Artikel zu schreiben. Im Rahmen der Gründung der Bismarck-Jugend, zu dessen stellvertretenden Vorsitzenden ich gewählt wurde, führte mich mein Weg dann nach Kaufbeuren/Allgäu. Während der folgenden Besuche freundete ich mich mit Remers Sekretärin Christl M. an, die mir anbot, doch ganz nach Bayern, zu ihr nach Huglfing/Obb. zu ziehen. Nach Zerwürfnissen mit den, nun unter Leitung von F. Busse stehenden Gefolgschaften der GdNF (Anti-Kühnen-Fraktion, der ich seit 1985 angehörte) übernahm ich fest die Redaktionsleitung in der Remerschen Zeitung und zog quasi mit nach Bad Kissingen. Wohnort blieb weiterhin Huglfing, aber fast ständig war ich nun in dem mondänen Kurbad in der Nähe von Schweinfurt. Als Redakteur für Remer akkreditierte ich mich im Januar 1988 für neu aufgelegten Zündel-Prozess in Toronto/Kanada um über das dortige Verfahren zu berichten. Schon ein Jahr später (1989) sollte ich mich von Ernst Zündel anwerben lassen und es zeichnete sich der Umzug nach München ab. Mit Remer aber blieb ich in gutem Kontakt bis zum Ende meiner politischen Karriere 1992/93. Für die Zeitung, die 1990 in Remer-Depesche umbenannt wurde, schrieb ich aber nicht mehr, da ich mich mit Karl Ph. aus FF/M, der nun Chefredakteur wurde, kurz nach dem Treffen im Löwenbräukeller, München überwarf.

[Der Spiegel:] Mit 17 erlebte der Schüler seinen „Durchbruch“, als er sich auf einem Seminar der rechtsgewirkten „Gesellschaft für freie Publizistik“ spontan und tagesordnungswidrig zu einer „Rede für die nationale Jugend“ aufschwang. Da sei einer seiner späteren Mentoren, der Bochumer Politologie-Professor Bernard Willms, begeistert aufgesprungen und habe, erinnert sich Althans, „mit einem Sektkübel Geld gesammelt, damit ich Jugendarbeit machen konnte“.

[Althans:] Kontakte, wie die zur GfP (Gesellschaft für freie Publizistik), dem DKEG (Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes), der Gesellschaft zur Erforschung für Vor- und Frühgeschichte (Walter Matthern), der StVdDO (Exil-Regierung der Staatsvertretung des Deutschen Ostens), der Deutschen Bauernschaft – einem Leserkreis um Thies Christophersen usw. bekam ich in den Anfängen von meinem Förderer Wolfgang G., vom Ehepaar H. und natürlich von Lotte Oppermann vermittelt. In der Tat lernte ich bei der GfP auf ihrer Jahrestagung ’83 in Kassel den Prof. Bernhard Willms / Ruhr-Universität Bochum (WIKI: http://de.wikipedia.org/wiki/Bernard_Willms ) kennen. Es war unmittelbar nachdem ich mit dem Abiturverbot konfrontiert worden war. Als (wieder einmal) einziger Jugendlicher unter lauter „Grauhaarigen“ – die sich trafen, um über Deutschlands Zukunft zu tagen, erhob ich mich erstmals in meinem Leben und sprach darüber, ob es nicht sinnvoller wäre, wenn schon nicht die eigenen Kinder dabei sind, Gelder für Patenschaften an junge Leute zu vergeben und Bücher für junge Menschen zu finanzieren…. Um mich vorzustellen, redete ich auch über die gerade erst erlebte Verfolgung in Sachen Schule. Das alles begeisterte die Leute und ich reiste mit viel Material und dem Versprechen, im nächsten Jahr mit mehreren Personen eingeladen zu werden, aus Kassel ab. Ein Sektkübel wurde allerdings nicht herumgereicht. Willms, der sich wiederum mit Prof. Haverbeck in Verbindung setzte, bemühte sich im Anschluss in meiner Angelegenheit beim damaligen Bundespräsidenten v. Weizäcker. (Anmerkung: Willms starb 1991 aus Verzweiflung an der deutschen Politik durch Suizid.)
Es gab zu diesen Ereignissen in Kassel noch ein Nachspiel gegenteiliger Art zu den Schilderungen in DER SPIEGEL: Ein anderer Tagungsteilnehmer bezichtigte mich, ich habe in sein Hotelzimmer eingebrochen und ihm die Summe von 300,-DM gestohlen. Natürlich blieb H. alle Beweise schuldig – aber wie es eben so ist, verlor ich trotzdem meine Glaubwürdigkeit bei der gerade erst entdeckten GfP – es sollte Jahre dauern, bis die Sache bereinigt war. H. selbst, der von Wolfgang G. der Lüge nachweislich überführt wurde und diesen daraufhin zwang, sich in einer schriftlichen Erklärung zu entschuldigen, verschwand – nachdem auch noch seine VS-Tätigkeit in NPD und GfP bekannt wurde – aus den genannten Kreisen.
Der besagte Sektkübel hingegen ging erstmals nach einem die Anwesenden bewegenden Auftritt von mir bei besagter Remer-DVU-Veranstaltung in Hannover herum. Es wurde Geld für meinen Rechtskampf gesammelt. Erhalten habe ich es allerdings nie!

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März 1984, Hannover – (l.) C. Worch – (2.v.l. M. Kühnen – stehend: Althans, 18 Jahre alt – (4.v.l.) O.E. Remer – (5.v.l.) Ortsverbandsvorsitzender DIE GRÜNEN, Bad Pyrmont
in der Villa von Frau Oppermann – NJD Treffen

[Der Spiegel:] Doch das „Schlüsselerlebnis“ hatte er erst im Herbst 1984. Damals begegnete ihm in Hannover der selbsternannte Neonazi-Führer Michael Kühnen zum ersten mal leibhaftig als Gast bei einer Versammlung des „Korps Hohenstaufen“, das Althans gegründet hatte.
Er habe, so Althans, seinerzeit noch nichts von Kühnens „Vulgärfaschismus“ gehalten und dem Ex-Bundeswehr-Leutnant eigentlich „in den Arsch treten“ wollen, aber: „Wir waren wie vom Schlag gerührt, es war eine Offenbarung und wurde mein Entschluss fürs Leben“ – die Hinwendung zum „orthodoxen Nationalsozialismus ohne Abstriche vom Programm Adolf Hitlers“.

[Althans:] Das KORPS HOHENSTAUFFEN war die erste (stramm rechts-national gesinnte) Gruppe, der ich jemals angehörte. „Chef“ und Initiator war der fast zehn Jahre ältere Hans-Joachim N.. Viele Jahre später erst habe ich erfahren, das N. über die gesamte Zeit mit dem niedersächsischen VS zusammen gearbeitet hat. Und – wie man bei Henryk M. Broder in seinem Buch (Verlag 2001 – hrsg. ca. 1980) nachlesen konnte: N. war um 1977 in die Lepzien-Geschichte und den Bombenanschlag auf das Landgericht Hannover irgendwie beteiligt gewesen. Nachdem ich mehr und mehr das Gefühl hatte, Hans-Joachim N. nutze uns – „seine“ Gefolgschaft in erster Linie dazu, seinen aufwändigen Lebensstil zu finanzieren, traten die meisten Jungs (etwa 10 Personen) aus dem Korps wieder aus – nur eine kleine Gruppe Getreuer aus Springe verblieb bei N..

Aus der ersten Idee – eine DJ“R“ (Deutsche Jugend „Rechts“) zu gründen, entstand dann die Idee und Gründung der NJD. Sowohl in Hannover als auch in Bremen bildete sich eine kleine Gruppe junger Nationaler. Leiter der Bremer Gruppe wurde mein damalig bester Freund und treuer Gefolgsmann Markus Privenau. Mit ihm gemeinsam war ich am Tage des ANS-Verbotes erstmals im Leben vorübergehend festgenommen worden, da zumindest die staatlichen Organe uns bereits ganz woanders einordneten als wir uns selbst. In den Wochen nach der Festnahme beschlossen Markus und ich einmal generell Verbindung in Richtung ex-ANS aufzunehmen.

So kam es schon bald zu einem ersten Besuch einer beeindruckenden Abordnung der Kühnen-Leute in der Villa Oppermann. Und zum Termin, an dem ich Gen.Maj.a.D. Remer eingeladen hatte – im März 1984 kam auch er: KÜHNEN. Da ich von dessen Kommen kurz vorher erfahren hatte, berieten Wolfgang G. und ich, wie das zeitgleiche Auftreten zweier so unterschiedlicher Personen organisiert werden könne. Kühnen wollte unbedingt Remer kennenlernen – aber wenn dieser von Kühnens Kommen erfahren hätte, hätte Remer abgesagt. Lösung war der Vorschlag von G., in einem Referat kurz unsere politische Haltung darzulegen und in einen „Vier Punkte Papier“ aufzuzeigen, warum es Unfug ist, dem Nationalsozialismus hinterher zu eifern. Dann wollten wir Kühnen Gelegenheit geben, zu antworten. Höhepunkt aber sollte der historische Bericht rund um die Geschehnisse des 20. Juli 1944 durch den beteiligten Augenzeugen Remer sein. Remer wurde von Kühnen und seinen etwa 30 mitgebrachten Anhängern überrascht. Also blieb er und war letztendlich auch interessiert, einmal selbst etwas von Kühnen zu hören. Kühnen wiederum ließ dem Älteren den Vortritt und Remer berichtete über sein Erleben. Fast hundert Personen drängten sich im Wohnzimmer des an sich geräumigen Hauses. (im Einzelnen werde ich das Geschehene in meiner Biographie näher beschreiben). Dann sprach Wolfgang G., ich moderierte den Abend mehr oder weniger. Als die Reihe an Kühnen war, der natürlich durch seine mitgebrachten Anhänger auch für zustimmendes Publikum gesorgt hatte, zog dieser in Minuten alle Anwesenden in seinen Bann. Wer Michael Kühnen, ob als Anhänger oder Gegner, einmal persönlich erlebt hat, kann mich verstehen. In weniger als 45 Minuten hatte er alle Anwesenden für sich gewonnen. Ich war begeistert und hatte das Gefühl, dass mir jemand aus Seele und Herz gesprochen hatte. Ja – ich empfand das inbrünstige Auftreten von Kühnen wie eine Offenbarung. Höhepunkt aber wurde ein spontaner, ungeplanter öffentlicher Auftritt bei einer zufällig am selben Abend stattfindenden Podiumsdiskussion im Raschplatz-Kino zum Film „Die Erben“. (österreichischer Kino-Film zum Thema NeoNazis). Schon wenige Wochen später nahm ich Kühnens Einladung an und fuhr per Anhalter alleine (ich meine, nach Speyer ?!) zum Jahrestreffen der HNG. Dort traf ich nicht nur erstmals die „Creme de la Cre me“ der Neo-Nazi Szene, sondern erlebte auch erstmalig das Aufeinanderprallen von „linken“ Kräften, staatlichen Organen und NeoNazis. Von hier ab überschlugen sich die Ereignisse, die mich für die kommenden Jahre fast Sekten-gleich in die braune Szene einbanden.
[Anmerkung zum Begriff „ORTHODOXER NATIONALSOZIALISMUS“: Dieser Terminus wurde von mir damals als Gegenthese zum Röhm’schen, bzw. sozialrevolutionären Nationalsozialismus Kühnens, geprägt. Als Antwort auf das Denkpapier von Walther Kexel und Ottfried Hepp, die eine Abkehr vom Hitlerismus forderten, war für mich NS von seinem „Schöpfer“ Hitler untrennbar.]

[Der Spiegel:] Dem huldigt er seitdem „bedingungslos“. Antisemitismus ist für ihn ein „absolutes Axiom“, zur „Endlösung der Judenfrage“ hatte er 1988 eine weitere „schlagartige“ Erleuchtung: die Begegnung mit dem nazistischen Deutsch-Kanadier Ernst Zündel, 53, der aus Toronto die halbe Welt mit Pamphleten über die „Auschwitz-Lüge“ überschwemmt.

[Althans:] Ich hatte mich entschieden! Aber auch meine Gefolgschaft zu Kühnen wurde von Anfang an heftig erschüttert durch An- und Übergriffe aus den eigenen Reihen. Nicht nur im Alltag, sondern auch ideologisch war ich alles andere als folgsam. Als ich durch den damaligen Hannoveraner Kameradschaftsführer Roland B. dem ehemaligen NS-Funktionär Willi Krämer,88 vorgestellt wurde, fand dieser sofort Gefallen an mir und lud mich ein, bei regelmäßigen Besuchen mehr über die Ideologie des NS und seine (Krämers) metaphysische Philosophie zu erfahren.
Den zuvor gebrauchten Begriff „Vulgärfaschismus“, den mir DER SPIEGEL in den Mund legt, stammt nicht von mir. Bei meinen Besuchen in Göttingen erklärte mir Krämer, der zehn Jahre zuvor Schulungen dieser Art auch mit Kühnen gemacht hatte, weshalb er Kühnens Interpretation eines Röhm’schen Nationalsozialismus ablehnte. Ich folgte damals Krämers Ansichten. Obwohl ich mich mit den ideologischen Schritten der INS (Initiative gegen das NS-Verbot) und dem darin beschriebenen 4-Stufenplan Kühnens absolut identifizierte, lehnte ich dessen „SA – Röhm – Zweite Revolution – Theorie“ ab.

„Bedingungslos“ habe ich nie im Leben gehandelt. Bei allem internen Streit aber war es damals keine Frage , nach außen einig und geschlossen aufzutreten. Dass man sich dadurch auch mit Menschen gleichstellte, mit denen man im normalen, eigenen Leben eher nichts zu tun haben wollte, ist wiederum nichts Ungewöhnliches. Auch jede andere politische Partei oder Bewegung kennt Flügelkämpfe und interne Fraktionen. Beschämend – wenn man in der Bewertung des Einen den Maßstab eines anderen anlegt. Ohne mich zu tief in die Ideologie-Debatte zu verlieren sei zur Unterstellung „meines absoluten Axioms – der ENDLÖSUNG DER JUDENFRAGE“ nur sehr wenig angemerkt:
1. AXIOM – laut Wikipedia (Zitat:)
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. – (weiter:) Ein Axiom ist ein Grundsatz einer Theorie, einer Wissenschaft oder eines axiomatischen Systems, der innerhalb dieses Systems nicht begründet oder deduktiv abgeleitet wird. Quelle/mehr: http://de.wikipedia.org/wiki/Axiom
2. Der ANTISEMITISMUS im weitesten Sinne war bzw. ist natürlich Bestandteil der NS-Ideologie. Eine Verallgemeinerung der inhaltlichen Ausrichtung kann allerdings nicht stattfinden. Das in der Sache das provokativste Potential des politischen Streites liegt, ist zweifelsfrei. Problematisch aber war (und ist es leider noch heute), dass die politischen Gegner den Neonazis automatisch „Hass auf Juden“ und „gewollte (physische) Bekämpfung und/oder Vernichtung“ unterstellen. Natürlich gab und gibt es in der NS-Szene Menschen mit unerträglichen Ansichten und mehr als ekelhaften Aussagen. Und – natürlich war es auch im Revisionismus üblich, verbal und schriftlich Grenzen zu übertreten, um gewollte Aufmerksamkeit zu provozieren.
3. Der Neonazismus ist eine „GEGEN“-Bewegung. Sie basiert auf Ablehnung (bis hin zum Hass und Gewalt), der sich oftmals aus der (geistigen, wirtschaftlichen und realpolitischen) Armut und Hilflosigkeit des Einzelnen nährt.Aber genau diese „GEGEN“ wollte ich damals durch ein „FÜR“ austauschen. Und genau das machte mich (scheinbar) gefährlich.
Es gab damals generelle ideologische Grundpfeiler, die man mehr oder weniger simplifiziert eben akzeptierte (was auch dem jugendlichen Alter und Denken entspricht), jeder aber hat sich diese Ansichten mehr oder weniger seinem eigenen Denkvermögen und Thesen selbst definiert.

Für mich war es bereits politisch nicht vertretbar, dass man Menschen wegen ihrer Religion zwingt, diese durch Tragen eines Zeichens an der Kleidung zu brandmarken. Der JUDENSTERN wäre, wenn ich als Anhänger Hitlers im „Dritten Reich“ gelebt hätte, genug Anlass des Protestes für mich gewesen. (Klar – was mir dann passiert wäre).

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Der Laden Herzog-Heinrich-Str. 30 in München


Ernst Zündel, den ich erstmals im Januar 1988 in Toronto traf,
lud mich zuerst gleich wieder aus, da ihm ein „Kamerad“ berichtet hatte, ich sei ein Verfassungsschutz-Spitzel! Während meines ersten Besuches war es überhaupt nicht das politische Wollen Zündels oder das „Auschwitz-Thema“, sondern ein menschliches Ereignis, dessen gemeinsames Erleben uns miteinander verband: Uwe Börner*2, der für Zündel seit etwa fünf Jahren wie ein Sohn geworden war, und der mir nicht nur mittlerweile als engster Freund und Vertrauter, sondern auch stellvertretender DJBW-Leiter zur Seite stand, hatte sich während meines Aufenthaltes in Kanada das Leben genommen.
Nachdem ich unmittelbar bei meiner Rückkehr nach Huglfing wieder einmal durch eine Razzia komplett allen Eigentums entledigt worden war, schlug Zündel mir vor, zurück nach Toronto zu kommen und weiter im Team rund um das aufwendige Verfahren mitzuhelfen. Und es waren die Freiheiten, die er mir – im Gegensatz zu den „Kameraden“ in Deutschland – einräumte, es war aber auch meine politische und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, die letztendlich dazu führten, dass Zündel mich sogar gegen Gehalt anheuerte. Erstmals konnte ich aufgrund eigener regelmäßiger Einnahmen eigene Entscheidungen treffen und beschloss, nach München zu ziehen. Nachdem ein enger, vermögender Freund (Reinhard R.), in München ursprüngliche ein für die REPUBLIKANER gedachtes Ladengeschäft angemietet hatte, was diese aber nicht nutzen wollten, bot sich über mich für Zündel die einmalige Gelegenheit, für gutes Geld einen eigenen Stützpunkt – das AVÖ – zu errichten. Ganz im Gegenteil zu den bisher üblichen Versteck-spielen und dem „sich verbarrikadieren“ sollte hier ein Objekt inmitten der Öffentlichkeit und für jeden offen Zugang zu Neonazismus (dem ich ja noch zugehörig war) und Revisionismus (den ich gerade erst für mich entdeckte) geben. Das Konzept ging auf.

Muc AVÖ Ernst u Rieger 1

Ernst Zündel, Rechtsanwalt Jürgen Rieger und Althans im AVÖ Büro – 1991

[Der Spiegel:] Althans wurde Zündels deutscher Verbindungsmann. Er organisierte im März vergangenen Jahres den sogenannten Leuchter-Kongress, der im Münchner Deutschen Museum stattfinden und beweisen sollte, dass die Vergasung der Juden in den Konzentrationslagern der Nazis schon „exekutionstechnisch“ unmöglich gewesen sei. Der Kongreß wurde verboten, die Münchner Staatsanwaltschaft beschlagnahmte im Althans-Büro über 200 Videokassetten und Unmengen von Nazi-Literatur.

Leuchterkongress

Althans spricht auf der Mahnwache vor dem DEUTSCHEN MUSEUM – Leuchter-Kongress 1992

[Althans:] Auch der Leuchter-Kongress, wie er später genannt wurde, stellt sich bei näherer Betrachtung ganz anders dar als im DER SPIEGEL beschrieben. Mit der systematischen Kampagne um den sogenannten Leuchter-Report weitete sich die Revisionismus-Debatte erstmals in die breite Öffentlichkeit aus. Am 16. Januar 1991 schloss ich mit dem DEUTSCHEN MUSEUM einen Vertrag für den internationalen Kongress

WAHRHEIT – FREIHEIT – RECHT
Erste internationale Jahrestagung kritischer Zeitgenossen!

Über die Dokumente und Details liegt ein fast 500-seitiger Abschluss-Bericht vor. Eine inhaltliche Auswertung wird sich in meiner Biografie finden. Je näher der Termin kam, umso höher schlugen die Wellen. Es gab nicht nur negative, sondern auch vielfältig positive Stimmen zum Ansinnen dieses Kongresses, der wohlgemerkt ein offenes Forum für ALLE sein sollte und auf dem sich Thesen und ihre Verkünder der Öffentlichkeit stellen wollten. Zu einem ersten Höhepunkt in der Mediendiskussion kam es am 14. Februar 1991 durch die Veröffentlichung eines Leserbriefs durch den ehemaligen Berliner Innensenator MdB Heinrich Lummer. Er reagierte auf einen beachtenswerten Aufsatz des Prof. Dr. Michael Wolffsohn (F.A.Z. vom 09. Feb. 1991) mit dem Titel „Zahlenspiele mit Auschwitz“ und schrieb unter anderem: [Zitat] „Es sollte die Zeit gekommen sein für die Fähigkeit zu einer wissenschaftlich objektiven Betrachtung. So mancher Politiker hat mit Rücksicht auf den Vorsitzenden des Zentralrates der Juden (Heinz Galinski, Anm.) die Wahrheit herunter geschluckt. Dies hilft auf Dauer niemandem.“ [Zitat Ende] Der gesamte Leserbrief ist in der F.A.Z. vom Donnerstag, den 14. Februar 1991 – Nr. 38 / Seite 13 nachzulesen. Der Kongress selbst wollte sich nicht – wie vom DER SPIEGEL behauptet – dem Nachweis des o.E. widmen. Aber er wollte die durch die Umbrüche in Osteuropa geradezu epochalen neuen Erkenntnisse zu historischen Ereignissen verkünden.

Unwahr ist, dass es im Zusammenhang mit dem Kongress selbst zu Hausdurchsuchungen kam. Allerdings sei an dieser Stelle angemerkt, dass ich in meinem Leben sage und schreibe 68 (!!!) Hausdurchsuchungen erlebt habe. Dass ich nur ein einziges Mal in Haft war (und das OHNE eine einzige Haussuchung in Sachen Bohnengel-Film) sagt so einiges aus. Das Münchner Kreisverwaltungsreferat verbot also die Veranstaltung drei Tage vor dem Termin. Ein hektischer Kampf vor den bayrischen Gerichten entbrannte, die einschlägigen Rechtsanwälte Jürgen Rieger, Dr. Goebel und Dr. Herzogenrath-Amelungen wurden aktiv. Die Gerichte setzen Sonderschichten ein, auch Nachts wurde gearbeitet, Jürgen Rieger übernahm den Hauptteil der Vorgänge. Sicherheitshalber wurden zeitgleich mehrere Ersatzveranstaltungen angemeldet, immerhin galt es, den aus über zwanzig Ländern Angereisten eine Möglichkeit des legalen und sicheren Zusammenkommens zu bieten. Auf Drängen des Kreisverwaltungsreferates kündigte nunmehr das DEUTSCHE MUSEUM den Mietvertrag. Trotz bezahlter Miete und klarer Darlegung des Kongresses wurde behauptet, ich hätte das Haus getäuscht… die Miete von 6.000,- DM floss natürlich nie an mich zurück. In der Nacht vor der Veranstaltung kippte dann der bayrische Verwaltungsgerichtshof mit handschriftlichem Urteil per Fax vorab das Verbot der Veranstaltung:

ABSCHRIFT – des endgültigen Beschlusses des BayVGH-Senats gegen die Beschwerde der Antragsgegnerin gegen den Beschluss der BayVGH-Kammer über die Aufhebung des Verbotes der Veranstaltung

AZ. 21 CS 91.842
M 7 S 91.1151

BAYRISCHER VERWALTUNGSGERICHTSHOF

In der Verwaltungsstreitsache
Ewald Althans, Herzog Heinrich Str. 30 – 8000 München 2 – ANTRAGSTTELLER
bevollmächtigt Rechtsanwalt Jürgen Rieger (Adresse)

gegen

Landeshauptstadt München
vertreten durch den Oberbürgermeister, (Kronawitter, Anm.) ANTRAGSGEGNERIN
beteiligt: Landesanwaltschaft Bayern als Vertreter des öffentlichen Interesses

wegen

Versammlungsverbots (Antrag nach § 80 Abs. 5 VwGO);
hier: Beschwerde der Antragsgegnerin und des Vertreters des öffentlichen Interesses gegen den Beschluss des Bayrischen Verwaltungsgerichtes München vom 21. März 1991,
erlässt der Bayrische Verwaltungsgerichtshof, 21. Senat,

durch
den Vorsitzenden Richter am Verwaltungsgerichtshof NOWAK
und die Richter am Verwaltungsgerichtshof REICH und Dr. ALBRECHT
ohne mündliche Verhandlung am 21. März 1991 (meiner Erinnerung nach am späten Abend)
folgenden

BESCHLUSS:

I. Die Beschwerde wird aus den zutreffenden Gründen des angefochtenen Beschlusses, auf die der Senat zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen Bezug nimmt, zurückgewiesen (§122 Abs. 2 Satz 3 VwGO). Ergänzend wird noch folgendes ausgeführt: Der Senat teilt die Bedenken der Kammer, dass aus den festgestellten wenig konkreten Tatsachen nicht mit der vom Bundesverfassungsgericht für erforderlich gehaltenen hohen Wahrscheinlichkeit auf die Begehung von Straftaten im Sinne von § 5 Nr. 4 VersG in Verbindung mit §§ 130, 185, 189 und 194 StGB geschlossen werden kann (BVerfG Beschluß vom 14. Mai 1985 in BayVBI 1985, Seite 589 ff.) In dieser Auffassung wird der Senat dadurch bestärkt, dass der bevollmächtigte Rechtsanwalt und Rechtsberater des Veranstalters dem Senat im Rahmen der Anhörung fernmündlich glaubhaft versichert hat, dass er selbst zu Beginn der Veranstaltung den ausländischen Rednern klarmachen werde, dass sie den Rahmen der deutschen Strafgesetze unbedingt beachten müssten, wenn nicht die Versammlung aufgelöst werden sollte. Andererseits kann aus der einmaligen rechtskräftigen Verurteilung des Veranstalters durch das Amtsgericht München wegen Beihilfe zur Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener anlässlich der Versammlung im Löwenbräukeller in München am 21. April 1990 geschlossen werden, er sei durch dieses Urteil hinreichend verwarnt. Deshalb liegt ein erneuter Verstoß des Herrn Althans gegen die Pflichten eines Veranstalters nicht nahe.

II. Die Antragsgegnerin sowie der Vertreter des öffentlichen Interesses haben die Kosten des Beschwerdeverfahrens je zur Hälfte zu tragen (§ 154 Abs. 2 VwGO).

III. Der Streitwert für das Beschwerdeverfahren wird auf 3.000,- DM festgesetzt.

NOWAK REICH Dr. ALBRECHT

Der Kongress war also NICHT verboten – fast eintausend Besucher standen aber ohne Saal da. Was lag näher, als dagegen vor dem geplanten Ort der Versammlung zu demonstrieren? So geschah es dann auch – auch diese „Mahnwache“ musste erlaubt werden und ALLE geladenen Referenten erhielten die Chance, sich zu den skandalösen Ereignissen zu äußern. Nur ernst Zündel nicht – dieser war, aufgrund eines Jahre zurückliegenden Vorwurfes verhaftet worden und erlebte den Kongress aus seinem Haftraum in München-Stadelheim. Tieferen Einblick in Grunde, Hintergründe und Argumente in dieser Auseinandersetzung kann dem Interessierten gewährt werden. Allein die Tatsache aber, dass der Kongress eben nicht, wie behauptet, verboten war, stellt die Sache in ein neues Licht.

[Der Spiegel:] Althans bleibt jedoch unverdrossen am Thema: Die „Lüge“ von deutscher Kriegsschuld und Holocaust will er zum ideologischen Fundament der Rechten machen – europaweit und als Beginn einer „notwendigen Intellektualisierung“.

Samisdat Propaganda 1

Von Ernst Zündel entworfenes Plakat 1990

Ihm schwebt nach dem Vorbild der 1933 gegründeten „Nationalpolitischen Erziehungsanstalten“ eine europäische „Napola“ für die „geistig dürstende Jugend“ vor, die im sächsischen Görlitz errichtet werden könnte.
Keimzelle bleibt vorerst das Deutsche Jugendbildungswerk, das bürotechnisch mit der Althans-Agentur AVÖ identisch zu sein scheint. Von dort werden auch Szeneliteratur und Videos vertrieben. So ist eine Kassette „Trauermarsch für Rainer Sonntag“, die das Andenken an den von Zuhältern in Notwehr erschossenen Dresdner Neonazi Rainer Sonntag wachhalten soll, für 35 Mark im Angebot.

My beautiful picture

Interview während der Teilnahme am Protest- und Gedenkmarsch für Rainer Sonntag Dresden 1991

[Althans:] Drei Stichworte aus dem Spiegelartikel will ich an dieser Stelle kommentieren bzw. erklären:

1. Die „Lüge“:
Die Verwendung des Begriffes LÜGE ist heikel, provokativ und manchmal aus politischer Strategie notwendig. Revisionismus aber sollte nicht „die Lüge zur Ideologie“ (wie DER SPIEGEL behauptet) machen, sondern den sich stetig in Bewegung befindlichen Tatsachen – etwa zur Geschichte – im Rahmen der REVISION einerseits im Bewusstsein der Allgemeinheit Platz verschaffen, andererseits aber auch etwaig daraus notwendige Ablösungen von bisherigen (Rechts-)Folgen bewirken. Gerade aber im DJBW – der gemeinsamen Plattform zur Findung einer weltanschaulichen Lebensgestaltung – war Politik und politisierter Revisionismus nur ein kleiner Teil des großen Ganzen. Ich selbst bin später in meinem Berliner Staatsschutz-Prozess über das Unvermögen des mich verurteilenden Richter gestolpert. denn der mir zur Grundlage meiner Verurteilung zum Strick gewordene (dehnbare) Begriff der VERUNGLIMPFUNG sollte dafür Sorge tragen, dass Begrifflichkeit missverständlich gedeutet wurde. Aber das gilt es im Einzelnen im Kommentar zu meiner Verurteilung nachzulesen, um zu verstehen, was ich meine. https://althansinfo.wordpress.com/category/urteil-und-gegenkommentar/

2. Görlitz:
Das DJBW mit der NAPOLA zu vergleichen ist schöne Braunfärberei. Vermutlich kam diese sogar von mir, denn was den „Elite-Anspruch“ bei der Auswahl der DJBW Leute betraf, war der Anspruch durchaus ähnlich. Allerdings war ich zum Zeitpunkt des Erscheinens des hier kommentierten Artikels dabei, den Nachfolge-Geschäftsführer für den Laden einzuarbeiten. Ich hatte mein Arbeitsverhältnis mit Zündel beendet, verdiente mir mit Live-Style-Journalismus unter Pseudonym mein erstes gutes Geld. Für die Tagungen des DJBW stand in der Nähe von Linz das Schloss Hochscharten zur Verfügung und gerade waren einige meiner DJBW Freunde dabei, über den Ankauf des Anwesens in Vellexon zu verhandeln. In Görlitz, einer der schönsten Städte Deutschlands war ich auf der Suche nach einem Haus zum Ankauf für Ernst Zündel. Dieser war damals im Begriff, aus eigenen Beweggründen seine Rückkehr nach Deutschland einzuläuten. In die Stadt Görlitz hatte er sich bei einem Besuch gemeinsam mit mir kurz nach der Maueröffnung verliebt. Zumindest ein Zweitwohnsitz sollte hier entstehen.

3. „Rainer Sonntag“ und der Aufmarsch in Dresden:
Wenige Monate nach dem Beitritt der ehemaligen DDR zum Gebiet der Bundesrepublik ging es im „neuen Osten“ ziemlich chaotisch zu. Im Rahmen der sich nicht nur dort, sondern in ganz Osteuropa teils diametralen gesellschaftlichen Umwälzungen kam es teilweie „über Nacht“ zu gesellschaftlichen Veränderungen, die von der Bevölkerung nicht verstanden oder akzeptiert wurden. So kam es schon vor dem 03. Oktober in Dresden zu einem massiven Zuzug von Roma und Sinti , die sich unmittelbar mit vielfacher Kleinkriminalität negativ hervortaten. Die Polizei sah sich relativ hilflos, sodass sich aus Neonazi-Kreisen unter dem Beifall großer Teile der Anwohnerschaften eine Mentalität zur „aggressiven Bürgerwehr“ entwickelte. Rädelsführer war der gerade erst aus dem Raum Frankfurt/Main zurückgekehrte Rainer Sonntag. Dieser hatte im Westen die Gruppe um Thomas Brehl und Michael Kühnen kennen gelernt und fühlte sich nun als Sachwalter der Kühnen-Truppe im Osten. Es gelang Sonntag recht schnell, eine den damaligen Verhältnissen nach große Gruppe an jungen Extremisten an sich zu binden. Je größer die Gruppe – umso forscher ihr Auftreten. Als eines der neuen ziele wurden die, zumeist mit illegalen Menschenhandel osteuropäischer Mädchen betriebenen Bordelle, die ebenfalls im Wildwuchs den Osten überschwemmten, ausgemacht. Schon kam es zu massiven Übergriffen, sodass sich die im Hintergrund Handelnden geschäftlich bedroht fühlten. Besonders betroffen fühlten sich die ungekrönten Dresdner Rotlicht-Könige Nicolas Simeonidis und Ronny Matz. Als sich ein weiterer Angriff der Sonntag-Truppe ankündigte, bestiegen Simeonidis und Matz an ihrem Wohnort Mannheim ihren Mercedes und fuhren – eine abgesägte Schrotflinte im Kofferraum – nach Dresden, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. In Dresden angekommen trafen sie tatsächlich auf Sonntag in Begleitung einer Gruppe seiner Anhänger vor einem ihrer Bordelle – es kam zur Konfrontation, bei der die beiden Luden den Neonazi mit der besagten Schrotflinte bedrohten. Statt das Feld zu räumen rief Sonntag „Schieß- doch!“ und ging auf die beiden Zuhälter zu. Simeonidis schoss!
Anschließend flüchteten die Täter zuerst, wurden aber alsbald gefasst. Es kam zum Prozess, der berühmte Star-Anwalt Bossi vertrat die Angeklagten. Das Verfahren endete mit einem FREISPRUCH! Das Gericht hatte auf Notwehr anerkannt, obwohl die Staatsanwaltschaft mindestens eine Gewalthandlung mit Todesfolge sah und 4 1/2 Jahre Haft gefordert hatte. Schon in den Monaten zuvor hatte es einige ähnliche Übergriffe, bei denen tatsächliche oder angebliche Rechtsradikale ums Leben gekommen waren, vergleichsweise mild geendet. Die Dresdner Öffentlichkeit, aber auch der größte Teil der Presse sowie die Staatsanwaltschaft waren über den Freispruch entsetzt, und so rief Christian Worch dazu auf, eine für den 4. April 1992 angemeldete Demonstration zu unterstützen.
Worch schrieb dazu unter anderem (Zitat): „…Wir müssen uns dagegen wehren! Da wir schon in den Knast wandern,wenn wir nur den „deutschen Gruß“ machen und da man uns allein schon für den Besitz einer Schrotflinte (ohne Waffenschein) für etliche Monate einsperren würde, bleibt uns nichts als der politische Widerstand. Dieser aber muss eindrucksvoll sein, massenhaft! Wir müssen hierzu unsere Ohnmacht, unsere Zerstrittenheit überwinden. Wir müssen – zumindest nach außen – Geschlossenheit demonstrieren!…“ (Zitat Ende, Quelle Flugblatt Worch) Diesem Aufruf folgte auch ich – und es wurde die erste Veranstaltung mit weit über eintausend Teilnehmern, die ich in dieser Art erlebte.
Vielleicht sei noch meine persönliche damalige Ansicht zur Person und dem Handeln Sonntags (wie gesagt, meine private Meinung !) verdeutlicht: Unabhängig, ob die Gerüchte, Sonntag selbst habe Interesse gehabt, sich im Rotlicht-Milieu zu positionieren, wahr waren oder nicht, hielt ich ihn samt seines Auftretens schlicht für ein“ asoziales Arschloch“.
Angemerkt werden muss auch noch, dass von den drei Anmeldern nur Christian Worch wohl politischer Oppositioneller war. Sowohl Thomas Dienel, Weimar als auch Roman Dannenberg aus Hoyerswerda waren (was inzwischen bekannt ist) handelnde aktive Spitzel des Verfassungsschutzes. Ich selbst hatte „der Sache wegen“ teilgenommen und bis heute bin ich der Meinung, dass in Deutschland niemand, der mit einer abgesägten Schrotflinte 600 Kilometer fährt, um dann auf offener Straße jemanden zu erschießen, ungestraft davon kommen darf.

[Der Spiegel:] „Bei uns geht“, verrät der Bürochef, „eine Menge Geld über den Tisch“. Wieviel, sagt er nicht – nach Schätzungen von Rechtsextremismus-Experten sind es 600 000 Mark im Jahr.
Aus kleinen Anfängen kann ja mal was ganz Großes werden, und Ewald Althans hat eine Vision: Der Bolschewismus ist „erledigt“, die kapitalistischen USA werden „schon in den nächsten zehn Jahren zusammenbrechen“, nun warte „die ganze Welt auf die gigantische deutsche Macht“.
Der deutsche Staat werde an seinen Problemen mit Umwelt und Asylanten „zugrunde gehen“, prophezeit er. Dann komme seine große Stunde: „Dieser Staat ist so marode, dass man mich eines Tages bitten und betteln wird.“
Den Plan zur Machtergreifung hat der Hitler-Epigone schon in der Tasche. Als erstes will Althans die Wiederzulassung der NSDAP verlangen, um, wie 1932 und 1933, „in alle Parlamente reinzukrachen“. Althans: „Die Entwicklung läuft auf mich zu, und zwar viel zu schnell. Man wird mich auf Schultern ins Rathaus tragen.“

[Althans – abschließende Bemerkungen 20 Jahre nach dem DER SPIEGEL ARTIKEL:]
Zwischen diesem Artikel und dem ersten Interview von DU&ICH [https://althansinfo.wordpress.com/category/uncategorized/duich-interview/] liegen zehn Jahre. Und weitere zehn Jahre später – unter dem ersten DU&ICH Artikel steht der wiederum zehn Jahre später verfasste Artikel derselben Zeitung, hört es nicht auf. Und jetzt auch noch dieser Einblick / Rückblick in diese Zeit, die ja selbst nunmehr teilweise sogar 30 Jahre zurück liegt. Warum das alles? Ganz einfach: Weil Presse und Medien allgemein, insbesondere aber das alte gegnerische und teilweise auch das alte „eigene“ politische Lager nicht aufhören, hinter mir (der Medien-Person) her zu jagen. Das Internet, in dem sich in allen Sprachen der Welt lange nach dem Ende meines politischen Handelns verlogene, falsche, bedrohliche und die Privatsphäre verletzende Geschichten über mich finden, tut den Rest. Und so werde ich regelmäßig von dieser – so nicht gewesenen – Vergangenheit eingeholt mit unerträglichen Folgen. Darum will und muss ich mich wehren. Ich lebe seit zwei Jahrzehnten ein anderes Leben – ich habe mit Politik nichts mehr am Hut. Aber mein Schicksal ist auch ein Beispiel für andere, was man selbst nicht machen sollte – und, was man aber auch mit mir nicht machen sollte.

Ich war viel tiefer „drin in der Sache“ als es viele glauben, zu wissen. Und ich bin viel weiter draußen, als es sich viele zurechtlegen. Aber es gibt einen roten Faden in meinem Leben. Und dieser setzte sich in erster Linie immer aus Ablehnung von Gewalt, dem Zuhören und auch Überzeugenlassen von und mit Andersdenkenden zusammen. Zum anderen aber auch aus der scharfen Kritik an den Mängeln und Fehlern, und wenn von Dingen überzeugt, für den offenen, ehrlichen Kampf um eine Sache. Es gab Gründe für jede meiner Handlungen. In jungen Jahren bin ich dabei sicher oft – dem damaligen Alter und Zeitgeist geschuldet – über das Ziel hinaus geschossen. Ich habe – bei aller Provokation immer den PENETRANTEN LEGALISMUS gepredigt, und ich wußte, das Mao Tse Tung Recht hat, wenn er sagte „Wer den Kopf über die Menge erhebt, muss sich nicht wundern, wenn er mit fauligen Tomaten beworfen wird“. In den Jahren habe ich weit über tausend Artikel über mich gesammelt. Dieser eine, hier Kommentierte zeigt, wie sehr Storys und Wirklichkeit auseinander liegen können. Ich war und bin und bleibe immer offen für Gespräche und Kritik. Leider hat man fast immer nur ÜBER mich gesprochen; bis heute traut sich niemand, MIT mir zu reden. KEINE einzige Podiumsdiskussion lud mich je zum Gespräch – warum? Bei einer Versammlung im alten Münchner Rathaus zum Thema „Über die Schwierigkeiten der Gesellschaft, mit NeoNazis zu reden“ erschien ich Anfang der 90er mit einer Begleitperson. Als ich im Rahmen der Diskussion vor 500 Anwesenden das Wort ergriff, und den einzigen Satz äußerte: „Warum traut Ihr Euch nicht, mit mir zu reden?“, riß der entsetzte Giovanni di Lorenzo die Kabel aus den Steckdosen, Tumult brach aus, ich wurde von allen Seiten angegriffen (körperlich) und die Polizei rettete mich. Die besonders aggressiven Schläger, die man kurzfristig zur Feststellung der Personalien festgenommen hatten, entpuppten sich als evangelischer Pfarrer, Sozialkundelehrer und Sozialarbeiter ….. Ich habe dutzende von Verfahren und unendliche Verfolgung erlebt. Fast alle Verfahren gewann ich. Erst und einzig der Bohnengel-Film, auf dessen Zusammenschnitt ich keinerlei Einfluss hatte, brachte mich in Haft. Auf mich ist geschossen worden, ich bin vielfach körperlich angegriffen und zusammengeschlagen worden – zuletzt lagen vor meinem damaligen Münchner Laden Rohrbomben mit Schrauben gefüllt mit Bekenner-schreiben der Roten Zellen. Die Liste des Erlebten ist unendlich lang ….
Immer wieder sagte ich: Das objektive Unrecht, dass ich erlitt, berechtigte mich subjektiv zu meinen Handlungen.
Es war und ist meine innere Ansicht gewesen, dass es eines jeden Menschen Pflicht ist, wenn er etwas als Unrecht oder falsch ansieht, den Mund aufzumachen, zu handeln und aber auch zu seinen Handlungen zu stehen. Ansichten und Überzeugungen waren bei mit Zeit meines Lebens das Ergebnis von langen Denk- und Veränderungsprozessen. Wie Millionen andere Deutsche und Menschen aus der ganzen Welt bin auch ich für eine Zeit lang der Faszination des Nationalsozialismus erlegen. Die Welt hat sich weiter gedreht. Aus Wissen und Wissenschaft haben sich weiter entwickelt. Vor allem aber bin ich selbst zu einem reifen Menschen geworden, dessen Gesamtperson heute wohl eher zu den bevorzugten Opfern meines damaligen Umfeldes gehört. Damit meine ich nicht meine Homosexualität allein sondern auch. Soviel für heute – damit hoffe ich, dass viele schlaflose Nächte, die ich in den letzten Wochen durchlebte, ein Ende finden.

*1 Volker Heidel
…wurde nach politischer Haft 1984 aus der JVA Celle entlassen und begann sofort als mein „Vorgesetzter“ zu arbeiten. Zuerst in der obersten Führungsebene der „Kühnen-Truppe“ – dann im Rahmen der „Schwulendebatte“ als treibende Kraft der Spaltung war er der Stellvertreter Jürgen Moslers. Ich blieb an der Seite Heidels, der in Hannover saß – während ich nach Bayern umzog. Heidel starb Anfang der 90er Jahre an einer Immunschwäche.

*2 Uwe Börner
…wurde nach vier Jahren Stasi-Haft wegen „versuchter Republikflucht“ in Bautzen in den 70ern von der BRD frei gekauft. Dort angekommen lernte er 1983 Ernst Zündel und 1984 mich kennen. Er wurde stellvertretender Leiter des DJBW, wegen seiner Herkunft setzte ihn Michael Kühnen geheim als sogenannten Sonder-Referatsleiter Ost ein. In diesem Rahmen organisierte Börner die Weitergabe von Material über/in Prag. Wegen drohender Haft aufgrund diverser Propaganda-Delikte im Zusammenhang mit Aktionen zur Freilassung von Rudolf Hess (und seiner Angst vor Gefängnissen durch die Traumatisierung in Bautzen) floh Uwe Börner nach Dänemark zu Thies Christopherson. Dort aber wurde er nicht heimisch und bereitete seinem Leben durch Selbstvergasung im Januar 1988 ein Ende.

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