Michael Kühnen – Die Biografie Rezension von B. E. Althans

28 Jul

Nun liegt es vor mir: KÜHNEN;Porträt einer deutschen Karriere – die Biografie. Und es kommt, wie erwartet: In nur vier Tagen verschlinge ich das Buch – vergesse dabei Tageszeit und den Moment – begebe mich auf die Reise in die eigene Vergangenheit. Dann, am Donnerstag Abend – bisher hatte ich immer versetzt Kapitel und Anmerkungen zusammengehörig gelesen – lese ich die Kapitel 16 und 17 in einem Zug und bin erschüttert, wie sehr es dem Autor gelingt, Details dieser letzten Wochen und Tage bildlich werden zu lassen. Nebenbei blubbert das Fernsehen: auf 3Sat läuft der Film „Die durch die Hölle gehen“; als ich während der Lektüre des Todes von Kühnen innehalte, auf den Fernseher blicke, sehe ich dort eine Szene, in der einer der Darsteller zu seiner Braut zurückkehrt, welche vor ihrem Haus ein Banner mit der Aufschrift „Welcome home – Michael“ gespannt hat. In der Nacht noch gehe ich mich gründlich betrinken, will unter Menschen sein und bin doch alleine. Dann – glücklicher Weise kann ich mir die Zeit nehmen und auch das Wetter spielt mit herrlichem Sonnenschein mit – gehe ich zwei Tage lang viel spazieren. Ich tippe mehrere Seiten meiner Notizen ab, strukturiere meine Gedanken und verdaue das nur schwer zu Verdauende. Am Tag SIEBEN nach Erhalt des Buches nun meine Rezension.

Vor etwa drei Jahren mag es gewesen sein, dass ich mit dem Autor, Werner Bräuninger, in Kontakt kam. Grund dafür war erst einmal meine Bitte, ob er mir sein Buch STRAHLUNGSFELDER zukommen lassen würde. Mich interessierte, was er über meinen vormaligen Mentor Willi Krämer*1 in jenem Buch geschrieben hatte. Ich las später noch weitere seiner Bücher, darunter die beiden Teile seiner Hitler-Biografie und – besonders verblüffend – das Buch CLAUS VON STAUFFENBERG, in dem er es vermochte, den bekanntesten Hitler-Attentäter in einem ganz neuen, und doch vermutlich der historischen Wahrheit am nahekommendsden Licht darzustellen: ein Denkmal einreißend und zeitgleich bauend. Schnell entwickelte sich eine sporadische Korrespondenz, aus der sich ergab, dass Bräuninger dabei war, Material zum Thema Michael Kühnen zusammenzutragen. Gerne erklärte ich mich dazu bereit, ihm dabei in aller selbstkritischen Offenheit zur Seite zu stehen. Und Bräuninger ist – um es vorweg zu sagen – gelungen, was er sich vorgenommen hatte. Mit seiner 551 Seiten umfassenden Biografie gelingt ihm, was man kaum für möglich hält: eine nahezu exakte, flüssige Beschreibung des Lebens einer der schillerndsten Personen der deutschen Gegenwartsgeschichte. Aufbauend auf geradezu symbiotischer Bindung von ehemaligen Freunden und Feinden, über Sichtung und Sieben des „Offenkundigen“, bis hin zur Freilegung intimster und internster Unterlagen hat Bräuninger alles zusammengetragen und ausgewertet, was zur biografischen Darstellung notwendig war. Mit weiteren 167 Seiten an Quellen, Anmerkungen und Vermerken wurde das Werk ergänzt und wissenschaftlich untermauert. Es gelang Bräuninger dadurch, eine ganzheitliche, glaubwürdige und – in Zwickmühlen des Schicksals gefangene – unendlich tragische Person literarisch – ja, wissenschaftlich – noch einmal aufleben zu lassen. Damit hat er niemandem einen „Gefallen“ getan, wie man eventuell zuerst hätte vermuten können. Denn die Einordnung in ideologische Klischees oder politische Seiten wird gänzlich unmöglich. Bräuninger verpflichtet sich den Fakten und somit der Wahrheit. Wahrheit aber ist das Gefährlichste, weil Beständigste.

Michael Kühnen wird von Bräuninger im vorliegenden Buch des öfteren zu Recht mit Rudi Dutschke verglichen. Er ist die tatsächliche Antipode des Systems „BRD nach 1945“ – er musste kommen. Das gerade er es war, der die ihm anhängende Strahlkraft entwickelte, lag an seiner im Buch hervorragend beschriebenen charakterlichen Ausformung. Sein umfassendes schriftliches ideologisches Werk, dass de-facto vom Großteil seiner Anhängerschaft gar nicht gelesen (und nur seltenst begriffen) worden war, offenbart eine eigentlich nur mit esoterischen oder religiösen Maßstäben begreifbare Form der „Reinheit der Lehre“. Im Gegensatz zu allen anderen politischen Strömungen nationaler Prägung war er es, der nie ein „Hinein in den Staat“ forderte. Das unterschied ihn, schuf Ideologie und Mythos, der sich während seines politischen Handelns (zu dem ich auch die langen Gefängnisaufenthalte zählen muss) auf seine Anhänger – so wie Fred Eichner zurecht beschreibt – geradezu sektenhaft (aber nicht sektiererisch) auswirkte. Das eigentlich Unerreichbare war das selbstverständliche Ziel. Auch in der Spaltung der Bewegung während der „Schwulendebatte“, nicht einmal im Nachhinein, wenn der eine oder andere (wie ich) ganz andere Wege ging, war im Vorgehen wirklich davon wegzukommen. Es mag inhaltlich noch so große Fehler oder Widersprüche in der Ideologie Kühnens geben – dem Autor Bräuninger sei gedankt, dass er in der Betrachtung des biografischen zeitlichen Lebensweg nicht vergisst, auch einen umfassenden Einblick in die Ideologie und Gedankenwelt des Beschriebenen zu gewähren.

Es ist nunmehr 33 Jahre her: Im Jahr 1983 wurde ich, noch bevor eine erste Begegnung mit Kühnen überhaupt stattgefunden hatte, am Tag des ANS Verbotes festgenommen. Es war das erste Mal in meinem Leben – daher sind die Erinnerungen sehr klar: es war in Bremen; ich hatte mit meinem damaligen „Stellvertreter“ der „noch NJD*2“ Markus Privenau ein paar fehlende Kerzen für die anstehende Julfeier gekauft. Da wurde inmitten des Kaufhauses Karstadt zugegriffen.
In wenigen Wochen überschlugen sich die Ereignisse: Es schien, dass sich das Verbot der ANS/NA eher einigend, radikalisierend und stärkend auf die sehr in Bewegung befindliche Szene auswirkte. „Nun erst recht“ war die Parole der Stunde. Ich organisierte eine Veranstaltung in Hannover-Döhren in der Villa von Lotte Oppermann, zu der Gen.Maj.a.D. Otto Ernst Remer angekündigt war. Kühnen erschien mit beeindruckender Entourage, u.a. waren damals Christian und Uschi Worch, Jürgen Mosler, Thomas „Steiner“ Wulff u.v.a. anwesend. Nach der Rede von Remer sprach Wolfgang Gaewert – einer meiner bedeutendsten Mentoren damals zum Thema: „Vier Punkte, weshalb der Neo-Nazismus keine Zukunft hat!“ Dann erwiderte Michael Kühnen. Seine 30 Minuten Rede wurden (nicht nur für mich) zu einer Art „Erweckungserlebnis“. Schon wenige Wochen später folgte seine Flucht (über Hannover), Volker Heidel kam – frisch aus der JVA Celle entlassen – und übernahm die Gau-Geschäftsleitung Niedersachsen, was den endgültigen Zusammenschluss der alten Hannoveraner ANS und des NJD zur Folge hatte.

Vor ebenfalls mittlerweile 30 Jahren aber „knallte“ es bereits, und ich – der ich heute offen schwul lebe – stand fest an der Seite von Heidel und Mosler gegen „die Schwulen und deren Tolerierer“. Wenn ich – aus heutiger Sicht – die Tragik, ja Qualen, die Michael Kühnen wohl aushalten musste, lese, so verstehe ich ihn vielleicht noch mehr als mancher andere. Denn, auch bei mir, bei dem sich die Veränderungen ja nicht über Tage, sondern über Jahre in sehr komplizierten Veränderungsprozessen entwickelten, gibt es viel Vergleichbares. Das alles wird Thema in meiner eigenen, nun doch bald folgenden Biografie sein.

Es ist wohl Christian Worch und Gottfried Küssel zu verdanken – die Ereignisse des Todes von Rudolf Hess und der Ermordung von Rainer Sonntag*3 trugen das ihrige dazu bei – dass Aktivisten aller Couleur im Handeln – damals: 1989/90 – wieder enger zusammenrückten. In meinem eigenen Tun in damaliger Zeit aber hatte ich Methoden und Kernsätze der ursprünglichen Kühnen-Doktrin ohnehin noch immer verinnerlicht. So war klar, dass der Angriff der Öffentlichkeit galt, absolute Gewaltfreiheit vorausgesetzt wurde, dass höchste Medienpräsenz vorrangiges Propaganda-Ziel und das Bekenntnis zur Gesinnung geboten war. Noch 1993 hieß es auf meinem Wahlplakat zum Münchner Stadtrat: „National – Sozial – Liberal: Für mehr Toleranz – Althans in den Stadtrat!“ Bald folgte ich einer Einladung Fred Eichners zu einer Rede Kühnens in München. Bewusst wurde Michael Kühnen zu meinem Coup „Wahrheit macht frei“ in den Löwenbräukeller in München geladen. Unbedingt war mir die namentliche Begrüßung geboten. Am 22.11.1990 unterzeichneten Kühnen und ich dann eine gemeinsame Erklärung, in der es unter anderem hieß:

„Das menschliche Verhältnis zwischen den Beiden ist korrekt und kameradschaftlich. Der Kontakt ist aber nicht sehr eng.
Das politische Verhältnis zwischen den beiden Unterzeichnern ist durch starke Widersprüche in Strategie, Taktik und Zielgruppen bestimmt […] Die Unterzeichner stimmen darin überein, dass alle nationalen Strömungen und Tendenzen, soweit sie keine Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele anwenden oder befürworten, ohne Unvereinbarkeitsbeschlüsse, Abgrenzungen oder gar Hetze zusammenwirken und schließlich eine nationale Sammlungs-Bewegung bilden sollten. Ein Neubeginn ist erforderlich. […]“

Bereits im kommenden Jahr, in dem es mir an meinem 25. Geburtstag gelang, mit dem sogenannten „Leuchter-Kongress“ meinem politischen Wirken einen weiteren Höhepunkt zu verschaffen und dadurch einen historischen Moment in der bundesdeutschen Geschichte zu markieren, verstarb Michael Kühnen. Seine Anhänger waren damals tragende Säulen des Münchner Kongresses bzw. seiner improvisierten Umsetzung. Vor 25 Jahren verstarb Michael Kühnen. Er hat – in den Zeiten, an denen ich an seiner Seite stand, wie auch in den Jahren, wo ich gegen ihn positioniert war – immer einen wesentlichen, prägenden Einfluss auf mein Denken und Handeln gehabt. Sein konsequentes Vorbild im Handeln; sein „in erster Reihe stehen“ – als Anführer vor den Eigenen zu stehen, unterschied ihn.

Das heutige Deutschland, die Bundesrepublik, ist an Kühnen gescheitert. Ja – sie hat ihn für vogelfrei erklärt und behandelt, wie nach den eigenen „Grund- und Menschenrechten“ niemand in diesem Land behandelt hätte werden dürfen. Leuchtend steht die Person eines Erich Fried – und ein jeder, der für sich alleine durch die vorliegende Biografie sich dem Lebensweg, ja – Schicksal Kühnens nähert, wird in ihm die Personifizierung der begründeten Kritik finden. Ich rede nicht von Kühnens Gedankenwelt – ich spreche von Freiheit und Würde!

Die Medien, die sich gegenwärtig mit einer unerwartet breiten Einigkeit der öffentlichen Diskreditierung als „Lügenpresse“ konfrontiert sehen, beweisen erneut ihre Willfährigkeit gegenüber dem Establishment. Denn – schon intellektuell wäre eine übergreifende Beachtung der spektakulären, ein Kapitel sicher umfassend abschließenden Biografie von Bräuninger geboten. Bis jetzt „nichts“ dergleichen. Eigentlich hatte ich mich schon als ein medien- kompatibler Protagonist in einer Talkshow gesehen. Denn ich folgte ihm – kannte ihn – kritisierte ihn – und bin heute distanziert und schwul. Ich habe meine Meinung – die durch die realpolitische Situation der rechten und der neonazistischen Szene immer wieder bestätigt wird – ja wiederholt deutlich gemacht: eine Vereinbarkeit zwischen Nationalsozialismus und Homosexualität gibt es nicht. Dennoch gehöre ich zu den wenigen jungen Verstehern dieser Ideologie. Wenn mir also die Frage gestellt worden wäre, ob eine NS-Bewegung ähnlicher Radikalität heute oder in Zukunft noch denkbar wäre, so hätte ich geantwortet: „Es ist nicht eine Frage des „OB“ sondern des „WANN & WIE“!“

Es bleiben für den denkenden Menschen Fragen und Hinweise offen: Die bestehende Gesellschaft, insbesondere diejenigen, die sich als „Hüter der Freiheit und des Rechtes“ verstehen, müssen überlegen, wie weit eine neue Definition des Ertragens und Zulassens des wirklich Andersdenkenden gehen sollte. Was man mit Kühnen und seinen Anhängerschaften gemacht hat [ich bin bis heute „vogelfrei“ – immer wieder hat der Sturz über das vor mittlerweile einem Vierteljahrhundert gewesene mich schwer zurückgeworfen und ich kämpfe um das tägliche Überleben], vernarbt die Gesellschaft. Und diese Narben werden brechen.
Es ist auch die Infragestellung der politischen Gegner, inwiefern diese vergessen haben, Inhalte zu bewerten, anstatt nur ein nebulöses Nazi-Feindbild zu jagen. Wenn man sich das politisch linke bis linksextreme Spektrum anschaut, dass noch immer eingebettet in molligem Verständnis von Journaille und Gesellschaft agiert, so ist das Vorgehen dieser verwöhnten Muttersöhnchen-Bagage und der asozialen Egozentriker längst selbst faschistisch und die Handlungsweisen Autonomer erinnern stark an die antijüdischen Exzesse der dreißiger Jahre.
Zuletzt aber müssen sich die „Zurückgebliebenen“ fragen, ob es mit der Unbeweglichkeit, dem Festhalten am Gestern, dem einmischen in das Individuelle (Sexualität ist ja nur ein Beispiel) sein Gutes hat. Kühnen hasste die „Rechte“, die „Reaktion“ mehr als seine linken Gegner (ich rede hier von politisch Orientierten). Das „nationale Lager“ hat es ihm mit Ausgrenzung, Häme und Hetze übelst gedankt. Die „Alten“, aber auch die alten eigenen Kameraden aber haben sich – besonders unter den ehemaligen „Frondeuren“, wie Bräuninger sie im Buch nennt – im Verhalten eindeutig rechts/reaktionär verortet.

Inhaltlich bleiben selbst einige der Gedanken Michael Kühnens von größter Sprengkraft: Es sind dieses in ganz kürzester Zusammenfassung: das Erkennen, dass die Umwelt die Heimat ist – eine bereitwillige Umkehr zur Anerkennung von Volk und Nation wird sich, wie heute bereits erkennbar wird, als Gegenmodell zur „One-World“ wiederfinden. Auch der sozialistische Gedanke – weg von der Weltherrschaft des Geldes (der Plutokratie, wie es im NS-Jargon hieß) – hin zur [Volks-]Gemeinschaft birgt noch unüberschaubare Energie. Wenn aber – im sich verhärtenden und radikalisierenden Kampf der politischen Extreme [zu denen auch die sich immer deutlicher abzeichnende rücksichtslose „Diktatur der Demokraten“ zählt] die Kräfte beginnen, sich zu entladen, wird – ob Kühnens und/oder Hitlers Weg gut war oder nicht – das UMKEHR-PRINZIP eigen-dynamisch in Bewegung geraten: die Teufel von Heute werden zur Hoffnung von Morgen. Das ist keine Befürwortung, sondern die Beschreibung, was kommt. Besser – und auch im Sinn von vielen, der an den im Buch beschriebenen Entwicklungen Beteiligten – wäre sicherlich der Dialog, ja, der gesprochene Streit [Diskurs] bis an die Grenzen des Erträglichen zur tatsächlichen Findung von Antworten auf die Fragen unserer Zeit. Eine Rückkehr nach Gestern trägt dazu nicht bei!

Das Leben wäre einfacher gewesen, wenn ich selbst Michael Kühnen nicht begegnet wäre. Es war jedoch interessanter [und so vielleicht lebenswerter], weil ich ihm begegnet bin. Dank und Anerkennung dem Autor, der zur Versachlichung und zur Historisierung nicht nur der Person Michael Kühnens, sondern auch meines eigenen bewegten Lebens beigetragen hat.

Anmerkungen
*1 – Willi Krämer prägte mein dynamisches politisches Denken wesentlich. Insbesondere mit dem gemeinsamen Lesen und Studieren des „MYTHOS DES XX. JAHRHUNDERTS“ von Alfred Rosenberg, dem Lesen und Analysieren der „BAUHÜTTE“ von Erwin Guido Kolbenheyer , dessen Lehre von der biologischen Methaphysik Krämer als die Grundlage schlechthin jeglichen philosophischen Denkens in der „gegenwärtigen Schwellenzeit“ (Krämer) betrachtete, sowie der Vor- und Aufarbeitung diverser Schwerpunktarbeiten nahm der damals bereits 88jährige prägenden Einfluss auf mein Betrachten des Lebens und des Kosmos.
*2 – NJD: Nationale Jugend Deutschland, eine erste, sich eindeutig NICHT-neonazistisch einordnende, lose Verbindung von Jungs in Hannover und Bremen. In den hier beschriebenen Wochen zuvor hatte Privenau bereits Kontakt mit Kühnen aufgenommen – zumindest er beabsichtigte bereits, sich Kühnen und der ANS/NA unter Umständen anschließen zu wollen.
*3 – Rainer Sonntag: Generell war Rainer Sonntag für mich eine äußerst unsympathische, zwielichtige Person. Dass dieser aber letztlich wegen seiner politischen Verortung auf offener Straße erschossen wurde und die Mörder mit glimpflichsten (Bewährungs-)Strafen davon kamen, war Grund genug, sich zu solidarisieren. Das unglaubliche Ereignis mobilisierte dann auch erstmals weit über eintausend NeoNazis u.a., um in Dresden zu demonstrieren. Ich war bereit, dort auch zu reden.

Verlag: Hess Verlag (20. Januar 2016) http://www.gerhard-hess-verlag.de/
Sprache: Deutsch
Broschiert: 650 Seiten
ISBN-10: 3873365685
ISBN-13: 978-3873365681
Größe und/oder Gewicht: 15,4 x 4 x 22,3 cm

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Hass von Rechts

5 Jul

Samisdat Propaganda 1

Wer glaubt, meine „Gegner“ standen „links“ lernt hier mehr:
Die vielschichtige Hetze, Verleumdung und Streiterei stand den Angriffen der vermeintlichen Gegner um nichts nach. Mehr hier [Link].

Hass von Links

1 Feb

Terroristen_Poster
Plakat der autonomen Linken

Ein bedeutender Teil der eigenen politischen Rechtfertigung und des damit verbundenen Handelns ergab sich während meiner politischen Karriere aus dem Druck und der Hetze von „Links“. In einer weiteren Veröffentlichung werde ich den „Hass von Rechts“ dokumentieren. Entgegen der langläufigen Meinung, ich sei eine „Führungsperson“ des rechten Spektrums gewesen, blieb ich immer „ICH SELBST“. Die Anfeindungen, Lügen und Gerüchte der vermeintlichen Gefolgsleute unterschieden sich um nichts von den unqualifizierenden, verletzenden und verleumderischen Darstellungen von „Links“. Hier [Link] eine kleine Dokumentation der damalig zu ertragenden Veröffentlichungen und Ereignisse.

Betr. Artikel Seite 3 – SÜDDEUTSCHE ZEITUNG [SZ] vom 30. Nov. 1994 „Billige Scharaden eines Yuppie-Nazis“ von Michaela Haas

24 Nov

 

A: Hier: Offener Leserbrief des Betroffenen vom 30.11.’94
[JVA München-Stadelheim]

Sehr geehrte Frau Haas,

mit Ihrem Artikel blasen Sie vergeblich in das alte Antifa-Horn. Mit den mir unterstellten Lügen, ich habe „gegen Geld Kameraden verraten*1, die dafür ins Gefängnis kamen“*2, ich hätte Gesinnungsfreunde als „Deppen“ bezeichnet*3, „Spendengelder unterschlagen“*4 usw. haben Sie vergeblich versucht, mich erneut durch den Dreck zu ziehen.
Wir schwer Ihnen dies überhaupt fällt, wird am Gesamteindruck des Artikels gut erkennbar. Denn, was sie am „Nazi Althans“*5 am meisten hassen, ist das Wissen, das ich nur für meine „Gesinnung“ – die mir von allen unterstellt wird – vor Gericht stehe. Was Sie und die öffentliche Meinung verzweifeln lässt, sind meine Offenheit, Bildung und Ehrlichkeit, mit der ich gegen eine verkommene, ignorante Gesellschaft angetreten bin.
NeoNazi bin ich schon lange keiner mehr*6 – aber sicherlich ein bedeutender Dissident. Leggewie*7 ist genauso wie Hasselbach*8. Leggewie kennt mich überhaupt nicht; ich habe die Szene-Kämpfe*9 seit 1986 überhaupt nicht mehr mitgemacht. Hasselbach ist hingegen das typische Beispiel, der seine kriminellen Handlungen*10 hinter einer Pseudogesinnung versteckte und der ausstieg, als ihm der Boden zu heiß wurde*11.
Sie wissen wie ich, dass – wenn ich verurteilt werde – ich unschuldig bestraft werde.
Ich bin ein Meister der Provokation, aber ich bin müde, mich an falscher Stelle zu engagieren*12. Ja – ich bin unsicher und ich stehe dazu. Ich habe mich nach meiner Inhaftierung auch nicht meiner Tränen im Gesicht geschämt.
Schämen tue ich mich für das Volk,dass noch immer nach „Sündenböcken“ sucht und ruft: „Steinigt ihn“*13. Ehrlichkeit, soziale Gerechtigkeit und Wahrheit bleiben für mich höchste Werte meines Lebens.

B. E. Althans
PS. Detaillierte Kritik am Artikel folgt mit getrennter Post.*14

*1Verrat und VS-Spitzel: Die Klassiker des internen, wie externen Rufmordes, zumeist von Gegnern aus dem eigenen politischen Lager aber auch gerne von offizieller Seite gebräuchlich. Alle mir je zugewiesenen Vorwürfe waren haltlos.
*2 Ich habe weder gegen rechte noch linke Personen oder sonst-wen belastende Angaben gemacht – natürlich saß wegen „mir“ auch nie jemand im Gefängnis.
*3 Berliner Zeitung / Titelseite 1: „Ein smarter Jungnazi verführt die Deppen“
Wenn, dann habe ich den Begriff „Deppen“ verwendet, um Menschen, die sich etwa wie der Mob in Rostock oder Hoyaswerda aufführten, zu bezeichnen. Mit diesen Kreisen habe ich niemals sympathisiert oder gar paktiert.
*4 Der nächste Klassiker zur Rufschädigung. Auch dieser blieb – schon angesichts der immer schlimmer werdenden finanziellen Lage, in die ich nach Beendigung der Zusammenarbeit mit Zündel zu Beginn 1993 und dem im Sommer desselben Jahres folgenden Berufsverbotes kam, vollkommener Unsinn.
*5 „Nazi“ ist ein tolles Wort – es wirkt so zerstörerisch, wie „Jude“ im Dritten Reich. Angefangen hatte alles damit, dass wir selbst als Nazigegner von Linken sowieso als Nazis und Faschisten beschimpft wurden. Ein Flugblatt trug dann auch die Überschrift: „Ihr nennt uns Nazis – Na und!“ Mit Kennenlernen von Kühnen und seiner politischen Bewegung verschrieb ich mich für einige Jahre tatsächlich der NS-Ideologie. Das änderte sich erst mit dem kennenlernen Zündels, den vielen Reisen und dem Begreifen, dass zwar einerseits Bedarf an der Neu-Schreibung der „offiziellen“ Geschichte bestand, andererseits aber an einer Gesellschaft, für bzw. in der es zu leben lohnt, erst einmal geforscht und gearbeitet werden müsse.
*6 Es gab zum 1. September 1993 sogar eine Pressekonferenz zu diesem Thema in München.
*7 Claus Leggewie (* 27. März 1950 in Wanne-Eickel) ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Er ist Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen Mehr:
http://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Leggewie
*8 Ingo Hasselbach, geb. Füllgrap (* 14. Juli 1967 in Ost-Berlin) ist der bekannteste Aussteiger der Neonazi-Szene. Mehr: http://de.wikipedia.org/wiki/Ingo_Hasselbach
*9 Ich ging 1986, während der Schwulendebatte, mit dem größeren Teil der Bewegung zum Mosler-Flügel; bereits ein Jahr danach – durch das Auftauchen von Busse, zog ich mich immer mehr zurück und engagierte mich bei Gen.Maj.a.D. O. E. Remer. Ab 1988 dann beschloss ich, die Jugendbildung und den politisierten Revisionismus des Ernst Zündel zu wählen.
*10 Immer wieder gab es Übergriffe auf den (teils auch nur vermeintlichen) politischen Gegner, seine Treffs, Dinge wie Sachbeschädigung, Körperverletzung usw. gehörten zum Alltag der Hasselbach-Truppe.
*11 Ingo war bereits in der DDR inhaftiert, und nunmehr hatten sich eine Anzahl von neuen Straftat-Vorwürfen angesammelt, die ziemlich sicher zu einer absehbaren erneuten Inhaftierung geführt hätten, wenn es nicht zur überraschenden, kompromisslosen Wandlung gekommen wäre.
*12 Insbesondere Zündel und ich waren der gemeinsamen Ansicht, dass „Auschwitz – Revisionismus“ eine Schlüsselfrage des politischen Neuanfangs sei – dennoch waren wir beide satt von all dem Negativen. Ich begann zudem, neue Interessen, Kultur, Tourismus u.a. zu entdecken. Und – erstmals tat ich mir in München als freier Journalist dank der Hilfe neuer Freunde andere, von der Politik gelöste Einkommen auf.
*13 Ich habe im Film BN gesagt: „Ihr hängt mir einen [rethorischen] Judenstern in Form eines Hakenkreuzes um – und ich werde dadurch vogelfrei.“
*14 Der Artikel folgt hier:

SZ_A

Süddeutsche Zeitung 30. Nov. 1994 – Seite 3 – Teil 1

SZ_B

Süddeutsche Zeitung 30. Nov. 1994 – Seite 3 – Teil 2

B: OFFENE KRITIK am Artikel der SZ vom 30.11.1994 von Michaela Haas

Nachdem Sie sich mit der Einleitung sehr viel Platz genommen haben, widmen Sie sich der Beschreibung vom Videofilm „100 Jahre Eiffelturm“, den nicht nur Sie nicht sahen, sondern der auch im Gericht nicht angesehen wurde. Nebenbei bemerkt heißt der Film nicht so, Hitler läuft nicht am Obersalzberg herum und im ganzen Film gibt es keine beschriebene Szene, wie Sie sie schildern*1. Die Höchststrafe für die mir unterstellten Delikte liegt auch nicht bei fünf sondern bei zwei Jahren*2. Der Prozess kommt nicht zu spät, er hätte nie kommen dürfen*3.
Die Behauptung mit den 600.000,- DM*4 stammt von Wolfgang Wüllenweber*5, ebenso wie der Quatsch, ich hätte „meine Leute“*6 als Deppen*7 bezeichnet. Der Strafbefehl, den ich wegen „Beihilfe zur Beleidigung“*8 zahlen musste, betrug 1.500,- DM, nicht 2.400,- DM.
Was meine persönlichen Ansichten bezüglich der von mir geförderten Diskussion über den Revisionismus betrifft, stimme ich besonders, was die Thesen der „Politisierung des Holocaust heutzutage betrifft, 10%ig mit Wolffsohn*9 (und nicht mit dem Idioten Deckert*10) überein. Deshalb auch der entsprechende Antrag*11 als Zeuge [Anm. Wolffsohn zu laden,] von mir. Ich halte Woffsohn für einen großartigen Menschen*12. Leider weigert er sich, wie so viele andere, mit mir zu sprechen*13.
Ich denke nicht im Traum daran, die jüdische Bevölkerung zu attackieren*14, ich habe eine Menge jüdische Freunde*15. Aber natürlich greife ich Juden an [Anm. verbal !], die Absichten oder Verhaltensweisen zeigen, die ich ablehne. Aber das hat nichts damit zu tun, dass es Juden sind. Ich greife auch NeoNazis an, wenn sie sich wie „Deppen“ benehmen.
Hasselbach zu zitieren sollten Sie sich dringend abgewöhnen, der hat nie Ahnung gehabt, worum es in der Politik (egal welcher) geht*16. Der hat ein Haus besetzt*17, und mit seiner Jugendbande aus kaputten Straf- und Gewalttätern*18 kriminelle Handlungen*19 durchgeführt. Ich habe deshalb mit der Weitlingstraße auch nie etwas zu tun gehabt. Ich war ein guter, wenn auch schwieriger Schüler*20 und ein sehr guter Jazz- und Klassik-Trompeter.
Was soll der Quatsch von meinen Eltern*21, die [Anm. mich] „als ich schon verloren war“, in den Waldorf-Kindergarten geschickt haben sollen?! War ich mit 5 schon NeoNazi? Warum hätte ich auf eine Sonderschule gehen sollen?! Da haben Sie sich wohl völlig verirrt.
Zündel baute mich nie systematisch auf*22. Er half mir, wenn ich ihn darum bat, und um jede Mark, die er mir gab, musste ich schwer mit ihm ringen*23.
Der Vorfall vor Gericht [Anm. meine Provokation über das schlechte Essen wenige Tage zuvor] fand unter dem neulichen Druck statt, unter dem ich seit der ungerechtfertigten Verhaftung stand. Dieser war am Anfang sehr schlimm. Aber der Ausfall von mir, für den ich mich [Anm. bereits am folgenden Verhandlungstag öffentlich] entschuldigt habe, wird von Ihnen verlogen wiedergegeben. Ich sagte:
„In Dachau (nicht Auschwitz)gab es wenigstens Frühstück, denn in Stadelheim gibt’s keins.“ Es gibt hier morgens tatsächlich nichts zu essen [Anm. an jenem betroffenen Tag], das „labberige Brötchen“ haben Sie gebacken.
Dem Fass den Boden ausschlagen tun Sie mit der unglaublichen Lüge, ich hätte Kameraden den Kameras ausgeliefert*24 (Was meinen Sie eigentlich als Journalistin mit der Formulierung „den Kameras ausgeliefert“ – ist Ihnen das eigentlich klar?). Niemand sitzt wegen mir im Knast, völlig hirnverbrannt, so etwas zu behaupten. Wer soll das sein?
Warum Sie, die Sie ja auch schon persönlich [Anm. während eines Besuches im AVÖ] mit mir sprachen, nun Gerüchte, die NIEMALS bestätigt oder bewiesen wurden,kolportieren; etwa – ich hätte Armani-Hosen*25 von Spendengeldern gekauft,frage ich mich ebenfalls. Ich habe noch niemals irgendein Kleidungsstück von Armani gekauft, NIEMALS auch nur eine Spende unterschlagen*26, und nie mehr als 130,- DM für eine Hose bezahlt. Wessen Geld soll ich denn unterschlagen haben?
Ich bin auch nicht Mitglied in einem Münchner Schwulenclub. Ich bin ab und zu in das Travestie-Show-Lokal Henderssen, später Together, gegangen. Na und? Passt Ihnen das nicht?*27
Meine Freunde sind mit gegangen …
Die Skinheads, die Sie meinten, im Gespräch mit Busse*28 zu belauschen, sind zwei junge Linke mit Glatze, die zu den Punks/Kids gehören,die fast täglich am Marienplatz herumhängen, nämlich David und Harry. Das, was Sie meinen, gehört zu haben im Gespräch mit Busse, von dem übrigens ein Großteil der Gerüchte über mich verbreitet wurde (Kein Kommentar ;-)), hat Ihnen leider nur ihre Fantasie eingeflößt. Tja – Scheiße – dass Journalisten immer so billig lügen, meine Freunde, die diese Richtigstellung lesen werden, aber auch so mancher „Gegner“ und Journalist, wird mit mir schmunzeln.

Ich wollte in DER Szene nie ein großes Licht werden. Auch, dass die JUNGE FREIHEIT mich angriff – übrigens war ich es damals selbst, der Sie damals darauf aufmerksam machte, – war klar. Ich bin ein Gegner der KONSERVATIVEN REVOLUTION, deren Vorreiter diese Zeitung ist.
Ich bin nämlich: … KEIN Rechter – sondern ein GERECHTER.
Ich bin – ob verurteilt oder nicht – schon heute ein Märtyrer, denn ob ich verurteilt werde oder nicht, ist unwichtig. Es geht nicht darum, ob das, was ich gesagt habe, wahr ist oder falsch. Es geht darum, dass es anscheinend verboten ist. Die Motive, die mir unterstellt werden, sind verlogen. Meine Motive sind gut.
Ich bin längst KEIN NeoNazi mehr, ich lasse mich nur von Leuten wie Ihnen so nennen. Was bleibt denn noch: Ich habe Recht; Ich bin im Recht.

Ich bin nicht mehr politisch aktiv, das hat viele Gründe. Aber meiner (wahren) Gesinnung bleibe ich treu:
Wahrheit – Gerechtigkeit – Ehrlichkeit kann man nicht kaufen. Aber man kann dafür leben.

Versuchen Sie nicht länger, mich zum Schuldigen für Euer [Anm. gesellschaftliches] Versagen zu machen. Schämt Euch – ALLE!

Es lebe die Wahrheit, die Gewissens- und die Meinungsfreiheit.

*1 Zum 100. Geburtstag Hitlers 1989, der zeitgleich mit der Hundertjahrfeier des Eiffelturmes stattfanden, wurden zwei Versionen – eine Spanische und eine Deutsche, gedreht. Insofern muss ich Frau Haas Recht geben, dass sie den Film, der aber 100 Anos del Hitler heißt, relativ korrekt beschreibt. Der Film zeigt generell allerdings die – in Spanien legale, angemeldete Demonstration zum geplanten Hitler-Kongress, der wegen Kündigung des Saales nicht stattfand. Die Demo fand unter dem Motto LIBERTAD D’EXPRESSION (Redefreiheit) statt.
In der von mir produzierten Version fehlen die Hitler-Bilder des Anfangs ganz – dafür aber werden alle Redner, auch ich – ausführlich samt deutscher Untertitel gezeigt. Etwa 1.000 Teilnehmer zeigten im Anschluss den in Spanien erlaubten Gruß der Falange Francos, der dem Hitlergruß gleich ist.
*2 Auch hier liege ich nicht ganz richtig: In der tat wurde das Gesetz zur „Auschwitzleugnung“ verschärft und das Strafmaß erheblich angehoben. Gegen mich konnte es aber nicht angewandt werden – Erst Zündel traf die volle Wucht des speziellen Gesetzes. Wenn man davon ausgeht, dass das Gericht statt Gesamtstrafe auch hätte versuchen können, Einzelstrafen aneinander zu reihen, und nicht 2/3 der Vorwürfe schon IM Verfahren eingestellt wurden, hätte es durchaus hart kommen können.
Nur – an dieser Stelle muss ich noch auf eine Besonderheit hinweisen: Da es mein ERSTE Verurteilung im Leben zu einer Haftstrafe wurde, hätte diese zur Bewährung ausgesetzt werden müssen. Die Tatvorwürfe lagen bis zu fünf Jahre zurück, die Verurteilung war deutlich unter zwei Jahren. Nur die Hysterie um meiner Person war auch diese unbotmäßige Behandlung geschuldet.
*3 Die Filme, wegen denen ich verurteilt wurde, hätten, wenn die rechtliche Bewertung dieselbe wie im Berliner Prozess gewesen wäre, gar nicht zur Verurteilung führen können, denn ich war ja dieses Mal der Vertrieb und Regisseur, aber die Interviewpartner waren jene, die die gegenständlichen Meinungsverbrechen begingen.
Auch der Umstand, dass alle Filme seit 1988 bereits im Umlauf waren, hätte meines Erachtens als Verjährung anerkannt werden müssen und lediglich Indizierung oder Beschlagnahme hätte geschehen sollen. Heute findet man fast alle Filme, die ich mit Freiheit bezahlte, ohnehin im Internet wieder – ob es mir passt oder nicht.
*4 Frei erfundenes Jahreseinkommen – müsste ja in der Buchhaltung / Finanzamt belegbar sein.
*5 Wüllenweber schrieb damals eine große „Hetze-Hommage“, die neben von der Berliner Zeitung auch auf der Seite 1 der Washington Post und der International Herald Tribune veröffentlicht wurde. Dort allerdings unter dem Titel „The sinister finess of a normal man who heads the NeoNazis“. Mit dieser Weltpropaganda war ich von den Medien zum Nachfolger Kühnens befördert worden. Der Führer ohne Gefolgschaft – was für ein Witz.
*6 Das spannende Geflecht von Menschen, die sich mal mehr mal weniger um mich scharten, wird Thema meines Buches sein. Sie alle waren jeden Alters, entstammten allen politischen Lager, und waren vornehmlich weiblich.
*7 Wer „Deppen“ sucht, wird „Deppen“ finden – überall und vor allem in jeder Partei. Oder?
*8 „Beihilfe zur Beleidigung“ – bevor ich etwas dazu anmerke, bitte noch einmal den Begriff dieser Straftat auf den Lippen zergehen lassen: „Beihilfe zur Beleidigung“
Mein Verbrechen (dessen Vorstrafe wiederum später die besonders harte Haftstrafe begründete) war es gewesen, einen Saal gemietet zu haben, in dem der britische Autor und Historiker die im Stammlager Auschwitz gezeigte Gaskammer als Attrappe bezeichnet hatte. Das war 1992 noch bundesdeutsche Rechtsprechung – eine Korrektur erfolgte bereits im Januar 1995, als Eric Conan und Henri Rousso im L’Express das bisherige Bild der Darstellung der Gedenkstätte auf das Schwerste erschütterten.
Original – Artikel: http://www.lexpress.fr/actualite/societe/la-memoire-du-mal_487340.html
*9 Michael Wolffsohn (* 17. Mai 1947 in Tel Aviv) ist ein jüdischer Historiker und Publizist mit deutscher Staatsbürgerschaft. Er lehrte von 1981 bis 2012 an der Universität der Bundeswehr München Neuere Geschichte.
*10 Günter Deckert (* 9. Januar 1940 in Heidelberg) ist ein rechtsextremer Politiker. Der ehemalige Gymnasiallehrer zählt zu der Gruppe der Geschichtsrevisionisten, die den Holocaust leugnen, und war mehrfach unter anderem wegen Volksverhetzung in Haft. Er gilt als radikaler Vertreter eines neonazistischen Kurses. Von 1991 bis 1996 war er Vorsitzender der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands.
*11 In meinem Antrag 37 des Münchner Prozesses heißt es formlos:
In der gegen mich laufenden Sache beantrage ich,
Herrn Prof. Michael Wolffsohn, Bundeswehrhochschule München,
als Sachverständigen zu laden. Beweisthema:
Er hat in seinen arbeiten mehrmals die heutige Holocaust-Politisierung angegriffen und behauptet, die Shoah nehme bei den [Anm. vielen] Juden heutzutage eine Form der Ersatzreligion an.
*12 Ob er ein „großartiger Mensch“ ist, wollte ich natürlich nicht zum Ausdruck bringen – das kann ich auch nicht beurteilen. Aber, ich habe immer mit großem Interesse und weitestgehender Zustimmung die Arbeiten und Äußerungen Wolffsohns zur Kenntnis genommen, und zum grundlegenden Bestand meiner eigenen Arbeit / Ansichten gemacht.
*13 Bis heute – damals aber ganz besonders – weigerte man sich konsequent, sich dem Gespräch MIT mir zu stellen. Ausgrenzung statt Austausch – teilweise in absurdester Form. Etwa, dass mir, weil das bereits als verbotene Nazi-Propaganda gewertet wurde, der Besuch des in öffentlicher Form vorgeführten Filmes Beruf „NeoNazi“ untersagt wurde. Oder – im alten Rathaus München – wo mein Erscheinen mit nur zwei Begleitern/-innen zur Panik und Gewalt von über 500 Personen gegen mich führte… die Veranstaltung, in der es um mich gehen sollte, sofort aufgelöst wurde und die Polizei mich retten musste.
*14 Im Gegenteil: Aussöhnung kann nur auf – sei es noch so harter – Aussprache und Aufklärung basieren Mit der Sondergesetzgebung zum Holocaust aus vorgehaltener historischer Verantwortung ist aber die saat zu neuem Unrecht längst wieder gestreut.
*15 Angefangen von meinem jüdischen Onkel Henri, der überhaupt mein Interesse an Geschichte weckte, bis zu David Cole. Cole, ein junger jüdischer Student, wollte „uns Revisionisten“ prüfen und widerlegen. Aber – bei seinem Interview mit Francizek Piper, dem Direktor von Auschwitz, berichtete dieser vor laufender Kamera, dass es massive Manipulationen in der Gedenkstätte Auschwitz gäbe. Cole produzierte einen spektakulären Film, dessen Verbreitung in Deutschland eine Straftat darstellt – dennoch ist er leicht im Internet zu finden. Nachdem es mehrere Mordanschläge seitens der JEWISH DEFENSE LEAGUE gegeben hat, täuschte Cole seinen Tod vor, lebte lange Jahre als David Stein bis heute im Untergrund.
*16 Die politische Ansichten Hasselbachs damals waren eine krude Mischung aus Punk, Skinhead- und Rechtsextremismus – eigentlich eine integrative Jugendkultur der Bundesrepublik. Bis heute findet man diese aus einer Mischung von negativen Gefühlen, Vorurteilen und Aggression gemischt mit Alkohol und Nikotin – mit Ideologie hatte das alles wenig zu tun.
*17 In der Weitlingstraße, Berlin – Lichtenberg, besetzen erstmals „Rechte“ ein leerstehendes Haus und schafften es für eine ganze Weile, Schlagzeilen zu machen. Entgegen meines Münchner Konzeptes eines offenen, einladenden Ladenbüros („nette Nazis von Nebenan“) schotte man sich ab, verbarrikadierte sich und wart eher der Schrecken der Nachbarschaft. Bohnengel/Hasselbach schildern in ihrem gemeinsamen Buch „Die Abrechnung“ detailliert die Zustände im besetzten Haus.
*18 Obwohl diverse „alte“ Gesinnungsleute der Kühnengefolgschaft versuchten, die Weitlingstraße einzubinden in ihr politisches wirken (und Kühnen bekanntlich die Messlatte SEHR weit unten anlegte) sammelten sich neben Abenteurern und Gescheiterten vornehmlich eher Jungs, die alles bereits verloren oder nichts im Griff hatten.
*19 Immer wieder kam es zu strafbaren Delikten, Aggression untereinander und vor allem zu Übergriffen gegen Dritte.
*20 Ich war ein sehr interessierter Schüler. Aber als ich mit Fragen zur deutschen Unschuld den Geschichtsunterricht erschütterte, wurde ich schlicht von der Teilnahme am Geschichtsunterricht ausgeschlossen. Und das ist nur ein Fall von vielen Beispielen, die meine Schulzeit rückblickend sehr illuster machen. Aber zur Sekundarstufe Zwei – dem Abitur, wurde ich nicht mehr zugelassen.
*21 Frau Haas hat ihre Eindrücke des SZ Artikels dem einmaligen Auftreten meiner Eltern im Bohnengel-Film gewonnen. Wusste sie, dass meine Eltern nur deswegen bei dem Film mitgemacht hatten, um dem ganzen Gedöns ein Ende zu bereiten, und mir zu helfen, vom falschen „Führer-Image“ wegzukommen? Sie wurden – wie ich – durch den Schnitt des Filmes völlig entstellt. Die – komplett aus dem Zusammenhang gerissenen Äußerungen meiner Eltern entsprechen in keinster Weise dem, was sie sagten. Darum ist es müßig, weiter inhaltlich auf das Zitierte einzugehen.
*22 Zündel baut mich natürlich nicht systematisch auf – nachdem er mich im Januar 1988 sogar noch ausgeladen hatte und als VS Spion verdächtigte, freundeten wir uns über die Jahre an. Zündel schätze mein Wissen und Könnens sehr und betraute mich damals mit – insbesondere für mein Alter – sehr weitreichenden Aufgaben, die ich aber vollkommen eigenständig bearbeitete.
*23 Ab Sommer 1988 arbeitete ich zudem erst Teilzeit, dann 1990 – 1992 voll und ganz für Samisdat Publishers – gegen Gehalt.
*24 Wir waren ein offenes Büro – oberster Denkansatz waren die Bemühungen um die Anders denkenden! Also – wenn Medien kamen, wurde jeder informiert und entschied selbst, ob er mit anwesend sein wollte, wenn etwa gedreht wurde.
Den „Kameras ausgeliefert“ wurden wir dann wohl eher etwa durch RTL, die damals mit einem Kamerateam am Laden erschienen, und ein paar perverse Porno-Videos filmend dem überraschten Geschäftsführer Ronny übergaben mit den Worten; es wären Filme von Althans. Der Bericht wurde dann auch ausgestrahlt (Rufschädigung) – meine Strafanzeige war erfolgreich und führte zur Durchsuchung des RTL Redaktionsbüros – die Presse empörte sich natürlich nicht über den Sachverhalt, sondern über mich und den Skandal, dass die Polizei aufgrund einer Anzeige von mir überhaupt ermittelte.
*25 Armani – Hosen habe ich niemals besessen – in einem weiteren total verfälschten Interview der Zeitschrift TEMPO, das zum Glück in Original und veröffentlichter Version existiert, hatte sich der Redakteur diese Formulierung einfach ausgedacht.
*26 Da man weder Lust noch Chancen sah, mich mit Gewalt oder gar Argumenten zum Schweigen zu bringen, hielt man sich eben an das alte Sprichwort: „Wenn Du eine Wahrheit nicht zerstören kannst, dann zerstöre den, der sie verbreitet.“
*27 Der Umgang mit mir, der sich in den Jahren 1993 / 1994 an das neue Umfeld klammerte, in dem sich seine neuen (schwulen) Bekannten bewegten, ist eine weitere traurige Geschichte. Allein – das ich dort – obgleich meiner A-Prominenz – überhaupt so offen verkehrte, hätte jeden zum Nachdenken bringen müssen.
*28 Friedhelm Busse (* 4. Februar 1929 in Bochum; † 23. Juli 2008 in Passau) zählte zu den führenden Köpfen der militanten Neonaziszene in Deutschland. In den 1970er-Jahren prägte er die Entwicklung der militanten extremen Rechten entscheidend mit. Bis zu ihrem Verbot war er Vorsitzender der rechtsextremen FAP. Ich konnte Busse nie leiden – er mich auch nicht. Darum verbreitete er maßgeblich geschichten, wie Geldunterschlagungen u.a. Gegen mich.

Richtigstellungen: DER SPIEGEL 1992 – Vor 20 Jahren

22 Jan

Im Jahr 1992 veröffentlichte DER SPIEGEL in seiner Ausgabe Nr. 18 auf den Seiten 110 und 113 den folgenden Artikel.

In der „Sektion“ Rechtsextremisten

unter der Überschrift Dürstende Jugend

Ein Münchner Yuppie will neuer Anführer der militanten Neonazis werden.

[Althans:] Erstmals wird hier der Text von mir auf meinem privaten BLOG zitiert und kommentiert. Der zitierte Text, der sich in vollem Umfang auf meine Person bezog, wurde in normaler Schrift belassen, meine Anmerkungen und Zitate aus Belegen und Dokumenten werden in kursiv abgefasst. Im Artikel wurden nicht die hier veröffentlichten Bilder verwendet.

Toronto Ramada_jpg

[DER SPIEGEL schrieb:] So einer hat dem rechtsextremen Lager noch gefehlt: ein Kerl, der sich in Discos und Edelrestaurants rumtreibt, modische Panamahüte und Seidenhemden trägt und sich eine Luxuswohnung mit Marmorfliesen leistet – das alles womöglich auf Kosten der Kameraden an der Front.

[Althans:] Der Besuch von „Discos“ ist meines Erachtens das Normale, wenn man als junger Mensch andere Menschen kennen lernen will. Erstmals habe ich in Toronto 1988 solche Läden besucht – von Anfang an – wenn auch vollkommen verklemmt und schüchtern – auch einschlägige (schwule) Clubs. Was ich dort sah (eine große Anzahl junger, gleichaltriger Schwuler) verschlug mir erst einmal die Sprache. „Edelrestaurants“ ist wohl eher übertrieben – natürlich verkehrte ich in Restaurants, natürlich sind davon viele in München vergleichsweise teuer. Aber es waren schon eher Biergärten (auf dem Viktualienmarkt / Augustiner), das Lindwurmstüberl (beste Küche Münchens), die zu meinen Favoriten gehörten. Einen „Panamahut“ habe ich nie besessen oder getragen, Hüte habe ich generell niemals aufgesetzt. Selbst im Winter tue ich mich bis heute schwer, eine Mütze aufzusetzen. Auch ein „Seidenhemd“ habe ich noch nie im Leben (weder damals noch heute) besessen. Ich war – meistens bei Wormland einkaufend – dem allgemeinen „Chic“ der Zeit wohl angepasst. Mein scheinbar guter Geschmack überzeugte wohl durch eher gediegenes Auftreten. Inmitten meines Coming-Out war durch nebenberufliche Tätigkeit meinerseits finanziell etwas Unabhängigkeit von meinem damaligen Gehaltszahler Zündel entstanden. Die beschriebene Wohnung habe ich von Freunden günstig vermittelt bekommen. Ein Leben im immer stärker von politischen Gegnern attackierten Laden war für mich nervlich nicht mehr zu ertragen. Die schöne Ausstattung der neuen Wohnung verdankte ich lediglich dem Umstand, dass diese zuvor vom Sohn des Hauseigentümers während dessen Studienzeit bewohnt worden war und dieser sie daher so herrlich eingerichtet hatte.
Niemals habe ich – trotz nicht Enden wollender Gerüchte von Neidern und Gegnern – Spendengelder für private Aufwendungen genutzt.

Toronto_JPGAlthans, 1992 in München

[Der Spiegel:] Doch dieser Yuppie-Typ Bela Ewald Althans, 26, der in München mit Szenegeldern seine PR-Agentur „Althans Vertriebswege und Öffentlichkeitsarbeit“ (AVÖ) finanziert, ist drauf und dran, neuer Vordenker der militanten Neofaschisten Deutschlands zu werden: Er will eine „Brücke schlagen“ zwischen grölendem Fascho-Volk und feineren Jungdeutschen, die er denn auch auf Tanzböden und Partys anmacht.
Althans („Hitler ist für mich ein Held“) strotzt vor Selbst- und Sendungsbewusstsein. „Ich bin“, sagt er, „kein Verführter, ich bin der Verführer.“

[Althans:] Das Münchner Büro bzw. Ladengeschäft mit angeschlossener Wohnung wurde etwa drei Jahre lang ausschließlich von Samisdat Publishers LTD; Ernst Zündel finanziert. Zusätzlich bekam ich ein eigenes Gehalt und Auslagen aus Kanada. Dafür habe ich entsprechende Gegenleistungen erbracht. [Mehr an anderer Stelle] Durch prägende Kontakte und eine enorme Belesenheit (die mehr als 10.000 Bücher und Schriften befinden sich im IISG-NL – siehe BLOG hier, andere Stelle) sowie den vielen Besuchen von Seminaren, Veranstaltungen, Tagungen usw. verfügte (und verfüge) ich über ein überdurchschnittliches Sach-Wissen.

Adlzreiter Flur 2-jpg My beautiful picture

links: Teil der Privat-Bibliothek – Wohnung rechts: Archiv im Büro des AVÖ – München 1991

Den Nimbus eines „Vordenkers“ mag ich annehmen, irgendwie gilt dieser bis heute. An anderer Stelle werde ich an Beispielen darlegen, wie oft ich in der Tat VOR-gedacht habe. Zur Erinnerung sei nur der Vorfall in meiner Schulzeit erwähnt, bei dem ich bereits 1982 (oder ’83) gegen die Behauptung im Lernstoff protestierte, die Massenmorde von Katyn seien von Deutschen Soldaten verübt worden.

Der Fall KATYN ist für meinen Lebensweg von großer Bedeutung gewesen. Vergessen wir nicht, dass für diese den Deutschen vorgeworfenen Verbrechen, die auch in Nürnberg von den Sowjets in den Beschuldigungen gegen die Angeklagten vorgebracht wurden, in den Jahren 1948-49 eine ganze Reihe „Schuldiger“ in einem Kriegsverbrecherprozess in Polen zum Tode verurteilt worden waren. Meinem Aufbegehren in der Freiherr-vom-Stein-Schule folgten eine Klassenkonferenz und darauf ein Teilnahmeverbot am Geschichtsunterricht. Von einem wissbegierigen, guten Gymnasialschüler war am Schluss nur noch ein Außenseiter übrig, der nicht einmal zu seiner eigenen Abschlussfeier kommen durfte. Im Anschluss folgte das „Quasi-Abiturverbot“ (noch immer war ich KEIN NeoNazi) – durch dessen Bekanntwerden ich erstmals in „rechten Kreisen“ prominent wurde und unter die Fittiche von Persönlichkeiten wie Prof. Werner Georg Haverbeck, Prof. Dr. Bernhard Willms und anderen genommen wurde. Erst im Jahre 1989 entschuldigte sich M. Gorbatschow offiziell beim Deutschen Volk für diese Kriegs-Propaganda-Lüge (DER SPIEGEL brachte es auf dem Cover, soweit ich mich erinnere). Bei mir – dem damals Weichen in Richtung Radikalisierung und Ausgrenzung durch unrechte Behandlung gestellt wurden – hat sich bis heute niemand entschuldigt.

Volker Heidel*1, der bereits 1984 eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen sollte, erklärte mir 1985 angesichts der chaotischen Zusammenrottungen merkwürdigster Gestalten in der FAP: „Nun, die SA haben wir schon, nun aber gilt es, eine politische Bewegung daraus zu formen.“ – Kurz will ich mich noch über den Begriff „FASCHOS“ ärgern: Niemals haben sich die NeoNazis als Faschos gesehen – Faschisten (unter anderem Mussolini und der „Austrofaschist“ Dollfuss, der von den Nationalsozialisten 1934 ermordet wurde) waren wie Nationalrevolutionäre, Nationaldemokraten und auch Nationalbolschewisten verpönt. Ich stand damals als relativ Gebildeter mit wenigen anderen in einer Menge von vollkommen ungebildeten und unideologischen Aktivisten….. Wohin sollte das führen ? Nie war es mein Bestreben, Anführer der Militanten zu werden – sondern es ging mir um das Vermitteln von Bildung, das Erarbeitens von Ansichten und Ideen. Aussagen wie „Hitler ist für mich ein Held“ sind aus heutiger Sicht natürlich peinlich. Sie sind aber der jugendlichen Aggression einerseits und der polit- provokativen Sprengkraft andererseits geschuldet und sollten somit nicht überbewertet werden. Immerhin galt es „Presse“ zu machen, da bedurfte es schon etwas Salz in der Suppe.


[Der Spiegel:] Schon jetzt sieht sich der Münchner mit dem Gardemaß von 1,93 Meter in der Führungsschicht der Neonazis als die „auffälligste Person“ unter „lauter Auslaufmodellen und Karikaturen“. Sein „Deutsches Jugendbildungswerk“ (DJBW), zu dessen „Amtsleiter“ er sich selbst bestellt hat, sei die „Schaltstelle für die ganze Szene“, die von Verfassungsschützern auf rund 39 000 Personen geschätzt wird. Das DJBW repräsentiere, so der Chef, „die gefährlichste, modernste und revisionistischste Jugendgruppe Deutschlands“.

Paris Ogmios bei Fontainebleau

Erster Schulungsort des DJBW – südlich von PARIS 1988

[Althans:] Unwesentlich, dass ich 196cm groß bin. Wesentlich aber, dass das DJBW letztendlich zwei ursächliche Gründe (neben der fehlenden Ideologie der „eigenen Kameraden“) hatte: Zum einen war es das seit dem Besuch im Collegium Humanum/Vlotho [siehe Artikel im BLOG] und des sich daraus ergebenden fortdauernden Dialoges mit Raimund Bachmann zum anderen den mittlerweile regelmäßigen Besuchen bei Willy Krämer geschuldet, etwas wie das DJBW zu gründen. Da gerade erst das Verbot der ANS/NA hinter uns lag und Michael Kühnen vom Ausland aus über seine Altgedienten das nur 10-monatige Experiment der ANS in irgendeiner Weise erhalten wollte, wurden einerseits die bekannten Leserkreise der NEUEN FRONT gegründet, andererseits aber Hierarchien gepflegt und gefestigt mittels des KAH [Komitee zur Vorbereitung des 100. Geburtstages Adolf Hitlers]. Zwei Dinge waren den damals führenden Personen des Ex-ANS Lagers an mir aufgefallen: Mein guter Draht zu Älteren in der Szene und meine offenen Kontakte in alle Richtungen. Und so wurde im März 1986 das DJBW gegründet. Gründungsort war das Haus von Karl Polacek in Mackenrode im Harz.

Börner Brehl Althans

Uwe Börner, Thomas Brehl und Althans – 1984 zur Wintersonnenwende in Mainz-Gonsenheim / Gärtnerei Müller

Ich wurde von Thomas Brehl mit Urkunde (KAH – stellv. Vorsitzender) zum Referatsleiter ernannt, was mir, solange ich in den neonazistischen Kreisen blieb, eine besondere Position gab. [zu diesem Thema muss und werde ich in meiner Biografie ausführlich berichten] Stellvertreter wurden Uwe Börner (Chemnitz – später auch geheimer Sonder-Referatsleiter OST) und Frank Rennicke! Das DJBW zog ich immer wieder mit mir bzw., an mich – es verblieb nicht in der „Bewegung“ sondern blieb Bindeglied verschiedenster Denker aus allen politischen Richtungen.

DJBW Julfest Fam. Bachmann

(l.) Althans -(4.v.l.) Frank Rennicke (ganz r.) Raimund Bachmann – Hotel Kaiserin Elisabeth, Starnberger See, Julfeier 1985

Von einem Landesvorsitzenden der Grünen über Wiking-Jugend und Neruther Wandervogel über Bundeswehr und Burschenschaft bis hin zu Neonazies und Einzelgängern fanden sich etwa 60 – 100 Personen im engeren Kreis unregelmäßig zusammen. Es gelang mir dabei unter anderem zeitweilig in Paris, dann in Hochscharten und zum Schluss in Vellexon große Gebäude (Schlösser) dem DJBW nutzbar zu machen und dort auch neben Tagungen internationale Veranstaltungen durchzuführen.

Hochscharten Vorderhaus

Schloss Hochscharten 1991 – Nieder-Österreich – Heimstätte des DJBW

[Der Spiegel:] Smart, kultiviert und redegewandt – der adrette Jung-Nazi, für den randalierende Skinheads nur nützliche „Deppen“ sind, könnte einer der gefährlichsten Demagogen im rechten Spektrum werden. „Der hat alles, was den anderen fehlt“, sagt der Berliner Verfassungsschützer Bernd Wagner, „der kann auf allen Klaviaturen spielen.“
Althans wurde sogar schon im Ausland, von der amerikanischen Zeitung International Herald Tribune, als „wichtigste Figur in Deutschlands wachsender Neonazi-Bewegung“ ausgemacht. Tatsache ist, dass der Münchner als potentieller Nachfolger des einstigen Chef-Nazis Michael Kühnen gehandelt wird, der im April vorigen Jahres an einer Aids-Infektion gestorben ist.

[Althans:] Ein knappes Jahr nach Kühnens Tod suchte die Presse nach dem „neuen Führer“ . Zwar hatte ich immer einen mehr oder weniger festen Kreis an Menschen um mich herum gehabt. Auch wusste ich – solange mit Zündel zusammen arbeitend, gut mit dem Nutzen von Kräften und dem Organisieren von Veranstaltungen umzugehen. Doch waren sichtbare Erfolge – etwa die Veranstaltung im Löwenbräukeller und der Leuchterkongress, der letztendlich in Form einer Mahnwache vor dem Tagungsort stattfand, eher taktischem Geschick zu verdanken. Immerhin brachte ich immer wieder Menschen in Veranstaltungen zusammen, die ansonsten ihre Zeit eher mit dem Abgrenzen voneinander verbrachten. Dabei ging es mir letztendlich immer und ausschließlich um die Durchsetzung der „Botschaft“ in der Öffentlichkeit – ein Bestehen in der „Szene“ selbst war mir eher unwichtig. Der Artikel in der HERALD TRIBUNE war nichts anderes als die englische Abschrift des Artikels von Wolfgang Wüllenweber aus der „Berliner Zeitung“ („Smarter Jungnazi verführt die Deppen“). Da stand ich also – ein „Führer“ ohne Gefolgschaft – ein wortgewaltiger Einzelner, der sich der Spielmittel der Politik zu bedienen wusste. Mittels der Pressekampagne, die nun begann (und von der ich mich durchaus zu Anfang geschmeichelt und oft auch gut bezahlt sah) begann das eigentlich Erhoffte: der Dialog. Doch weit gefehlt – es wurde über mich gesprochen – nicht mit mir! Und so begann die „Medienperson Althans“ ein Eigenleben zu entfalten, unter dem ich bis heute zu leiden habe. Währenddessen aber war mein Denken und Handeln, das Auftreten und Wirken von stetigen Veränderungen begleitet.

Muc Löw Stage Muc Löw Saal

Löwenbräu-Keller München – WAHRHEIT MACHT FREI – links: Althans spricht, 3.v.l. DAVID IRVING — rechts: Über 800 Personen im Saal

[Der Spiegel:] Denkbare Rivalen sind der Hamburger Christian Worch, 36, Anführer der „Nationalen Liste“ mit einigen Dutzend Anhängern, und der österreichische NS-Rambo Gottfried Küssel, 33, Vormann einer etwa 120 Mitglieder starken „Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition“, der allerdings vorerst im Knast sitzt, weil er öffentlich die Wiederzulassung der NSDAP gefordert hat.

[Althans:] Christian Worch und ich hatten immer einen guten Dialog geführt – sehr oft waren wir aber unterschiedlichster Ansichten. Dennoch sahen wir in Zweckbündnissen Sinn und verstanden es, zur erfolgreichen Durchsetzung gleicher Ziele gut zusammen zu arbeiten. Grundlegender Unterschied zu Worch war meine Ablehnung des parteipolitischen Handelns. Ich glaubte, dass mit dem Aufbrechen von Denkweisen eine Dynamik in der Öffentlichkeit entstünde, durch die dann die Karten automatisch vollkommen neu verteilt würden. Auch mit Gottfried Küssel, den ich als sehr umgänglich und lustig in Erinnerung habe und mit dem mich damals meine ja frühe zeitgleiche Einstiegszeit in den Neonazismus verband, hatte ich immer ein unkompliziertes Verhältnis. Natürlich bin ich wegen meines „Verrats“ – oder anders, vielleicht besser formuliert „Treuebruchs“ bei beiden Genannten heute komplett unten durch. Zumal ich zumindest bei Küssel auch eine Verachtung meiner heute offen gelebten Veranlagung (schwul) vermute.

Hess-Demo Küssel Althans

Gottfried Küssel und Althans auf dem Weg zum RUDOLF HESS Gedenkmarsch nach Bayreuth 1991

[Der Spiegel:] Der Agitator Althans ist das Produkt einer systematischen Schulung von Kindesbeinen an. Schon mit 13 Jahren wurde er in seiner niedersächsischen Heimat wie ein Wunderknabe in den Zirkeln von Altnazis und Nationalkonservativen herumgereicht.

[Althas:] Das ist natürlich so nicht richtig. Erst im Alter von 16 Jahren stieß ich auf das DKEG (Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes) und dessen Hannoveraner Leiterin Lotte Oppermann (damals 88). Sie und eine Reihe ihrer Freunde schlossen mich sofort in ihr Herz. Auch hierüber wird an anderer Stelle im Detail zu berichten sein. Ein kleiner „Wunderknabe“, so hofften zumindest meine Eltern, schien ich dennoch zu sein. Begeistert und begabt spielte ich Trompete. Das Musikalische aber auch unersättlicher Wissensdurst ließen mich bis zur 7. Klasse zudem mit Leichtigkeit den Lehrstoff begreifen.


[Der Spiegel:} Gleich zwei weltanschauliche Ziehväter verpassten dem Ewald NS-Philosophie und Rednerschliff: der inzwischen gestorbene Willi Krämer, einst Sonderreferent von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, und Otto Ernst Remer, 79, ehemals Kommandeur des „Wachbataillons Großdeutschland“. Zu Remer entwickelte Althans sogar „beinahe familiäre Bindungen“.

Gen.Maj.O.E.Remer 1944 Gen.Maj.O.E.Remer

Gen.Maj.a.D. (links 1944) Otto Ernst Remer (rechts 1990 im Mövenpick – München) ehem. Kommandeur des Wachbataillons Großdeutschland

[Althans:] Zuerst waren es Haverbeck und Krämer, die eine geistige Auseinandersetzung mit mir führten. Nachdem bei der DVU (die damals politisch eher unbedeutend war aber eine Menge Menschen über ihre Wochenzeitungen u.a. „Nationalzeitung“ mobilisieren konnte) der „2. Weltkriegs-Held“ Oberst a.D. Rudel verstorben war, versuchte dieser Kreis Gen.Maj.a.D. Otto Ernst Remer als neue Symbolfigur einzubinden. Remer, ein ausgesprochen guter Redner, war erst vor Kurzem aus Afghanistan zurück in die BRD gekehrt. Doch statt das Angebot der DVU anzunehmen, wollte er seine eigene Idee umsetzen: die DDF (DIE DEUTSCHE FREIHEITSBEWEGUNG) Im Gegensatz zur DVU, die ein eher pro-westliches (pro-amerikanisches) Wesen auszeichnete, vertrat Remer die Ansicht, dass nur in der Verständigung mit der Sowjetunion ein politischer Weg zu gehen sei. Diesen „Geist Bismarcks“, wie er es nannte, wollte er zum Signal einer neuen rechten Sammlung machen. Zumindest in den Kreisen der älteren Nationalen kam das gut an – zumal man eben irgendwie doch auf „den neuen (An-)Führer“ wartet(e).

Ich begegnete Remer erstmals auf einer DVU-Veranstaltung in Hannover im Herbst 1983. Da ich zu dieser Zeit bereits regelmäßig Freitags in der Villa Oppermann meinen NJD-Abend (NJD: Nationale Jugend Deutschland) veranstaltete, lud ich Remer ein, doch mal auf einer von mir organisierten Veranstaltung zu sprechen. Er hielt damals in ganz Deutschland immer wieder Vorträge über seine „Bismarck-Politik“. Remer folgte dieser Einladung dann auch tatsächlich im März 1984 und traf dort nicht nur auf mich sondern auch auf Michael Kühnen. (siehe weiter unten im Text) Der Kontakt zu Remer, dessen Zeitung ich regelmäßig in größerer Stückzahl zur Weiterverteilung bekam, blieb sehr dünn bis etwa 1986. Für die Zeitung begann ich allerdings, unentgeltlich Artikel zu schreiben. Im Rahmen der Gründung der Bismarck-Jugend, zu dessen stellvertretenden Vorsitzenden ich gewählt wurde, führte mich mein Weg dann nach Kaufbeuren/Allgäu. Während der folgenden Besuche freundete ich mich mit Remers Sekretärin Christl M. an, die mir anbot, doch ganz nach Bayern, zu ihr nach Huglfing/Obb. zu ziehen. Nach Zerwürfnissen mit den, nun unter Leitung von F. Busse stehenden Gefolgschaften der GdNF (Anti-Kühnen-Fraktion, der ich seit 1985 angehörte) übernahm ich fest die Redaktionsleitung in der Remerschen Zeitung und zog quasi mit nach Bad Kissingen. Wohnort blieb weiterhin Huglfing, aber fast ständig war ich nun in dem mondänen Kurbad in der Nähe von Schweinfurt. Als Redakteur für Remer akkreditierte ich mich im Januar 1988 für neu aufgelegten Zündel-Prozess in Toronto/Kanada um über das dortige Verfahren zu berichten. Schon ein Jahr später (1989) sollte ich mich von Ernst Zündel anwerben lassen und es zeichnete sich der Umzug nach München ab. Mit Remer aber blieb ich in gutem Kontakt bis zum Ende meiner politischen Karriere 1992/93. Für die Zeitung, die 1990 in Remer-Depesche umbenannt wurde, schrieb ich aber nicht mehr, da ich mich mit Karl Ph. aus FF/M, der nun Chefredakteur wurde, kurz nach dem Treffen im Löwenbräukeller, München überwarf.

[Der Spiegel:] Mit 17 erlebte der Schüler seinen „Durchbruch“, als er sich auf einem Seminar der rechtsgewirkten „Gesellschaft für freie Publizistik“ spontan und tagesordnungswidrig zu einer „Rede für die nationale Jugend“ aufschwang. Da sei einer seiner späteren Mentoren, der Bochumer Politologie-Professor Bernard Willms, begeistert aufgesprungen und habe, erinnert sich Althans, „mit einem Sektkübel Geld gesammelt, damit ich Jugendarbeit machen konnte“.

[Althans:] Kontakte, wie die zur GfP (Gesellschaft für freie Publizistik), dem DKEG (Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes), der Gesellschaft zur Erforschung für Vor- und Frühgeschichte (Walter Matthern), der StVdDO (Exil-Regierung der Staatsvertretung des Deutschen Ostens), der Deutschen Bauernschaft – einem Leserkreis um Thies Christophersen usw. bekam ich in den Anfängen von meinem Förderer Wolfgang G., vom Ehepaar H. und natürlich von Lotte Oppermann vermittelt. In der Tat lernte ich bei der GfP auf ihrer Jahrestagung ’83 in Kassel den Prof. Bernhard Willms / Ruhr-Universität Bochum (WIKI: http://de.wikipedia.org/wiki/Bernard_Willms ) kennen. Es war unmittelbar nachdem ich mit dem Abiturverbot konfrontiert worden war. Als (wieder einmal) einziger Jugendlicher unter lauter „Grauhaarigen“ – die sich trafen, um über Deutschlands Zukunft zu tagen, erhob ich mich erstmals in meinem Leben und sprach darüber, ob es nicht sinnvoller wäre, wenn schon nicht die eigenen Kinder dabei sind, Gelder für Patenschaften an junge Leute zu vergeben und Bücher für junge Menschen zu finanzieren…. Um mich vorzustellen, redete ich auch über die gerade erst erlebte Verfolgung in Sachen Schule. Das alles begeisterte die Leute und ich reiste mit viel Material und dem Versprechen, im nächsten Jahr mit mehreren Personen eingeladen zu werden, aus Kassel ab. Ein Sektkübel wurde allerdings nicht herumgereicht. Willms, der sich wiederum mit Prof. Haverbeck in Verbindung setzte, bemühte sich im Anschluss in meiner Angelegenheit beim damaligen Bundespräsidenten v. Weizäcker. (Anmerkung: Willms starb 1991 aus Verzweiflung an der deutschen Politik durch Suizid.)
Es gab zu diesen Ereignissen in Kassel noch ein Nachspiel gegenteiliger Art zu den Schilderungen in DER SPIEGEL: Ein anderer Tagungsteilnehmer bezichtigte mich, ich habe in sein Hotelzimmer eingebrochen und ihm die Summe von 300,-DM gestohlen. Natürlich blieb H. alle Beweise schuldig – aber wie es eben so ist, verlor ich trotzdem meine Glaubwürdigkeit bei der gerade erst entdeckten GfP – es sollte Jahre dauern, bis die Sache bereinigt war. H. selbst, der von Wolfgang G. der Lüge nachweislich überführt wurde und diesen daraufhin zwang, sich in einer schriftlichen Erklärung zu entschuldigen, verschwand – nachdem auch noch seine VS-Tätigkeit in NPD und GfP bekannt wurde – aus den genannten Kreisen.
Der besagte Sektkübel hingegen ging erstmals nach einem die Anwesenden bewegenden Auftritt von mir bei besagter Remer-DVU-Veranstaltung in Hannover herum. Es wurde Geld für meinen Rechtskampf gesammelt. Erhalten habe ich es allerdings nie!

A09 Worch Kühnen Althans 18 Remer bei Oppermann NJD_JPG

März 1984, Hannover – (l.) C. Worch – (2.v.l. M. Kühnen – stehend: Althans, 18 Jahre alt – (4.v.l.) O.E. Remer – (5.v.l.) Ortsverbandsvorsitzender DIE GRÜNEN, Bad Pyrmont
in der Villa von Frau Oppermann – NJD Treffen

[Der Spiegel:] Doch das „Schlüsselerlebnis“ hatte er erst im Herbst 1984. Damals begegnete ihm in Hannover der selbsternannte Neonazi-Führer Michael Kühnen zum ersten mal leibhaftig als Gast bei einer Versammlung des „Korps Hohenstaufen“, das Althans gegründet hatte.
Er habe, so Althans, seinerzeit noch nichts von Kühnens „Vulgärfaschismus“ gehalten und dem Ex-Bundeswehr-Leutnant eigentlich „in den Arsch treten“ wollen, aber: „Wir waren wie vom Schlag gerührt, es war eine Offenbarung und wurde mein Entschluss fürs Leben“ – die Hinwendung zum „orthodoxen Nationalsozialismus ohne Abstriche vom Programm Adolf Hitlers“.

[Althans:] Das KORPS HOHENSTAUFFEN war die erste (stramm rechts-national gesinnte) Gruppe, der ich jemals angehörte. „Chef“ und Initiator war der fast zehn Jahre ältere Hans-Joachim N.. Viele Jahre später erst habe ich erfahren, das N. über die gesamte Zeit mit dem niedersächsischen VS zusammen gearbeitet hat. Und – wie man bei Henryk M. Broder in seinem Buch (Verlag 2001 – hrsg. ca. 1980) nachlesen konnte: N. war um 1977 in die Lepzien-Geschichte und den Bombenanschlag auf das Landgericht Hannover irgendwie beteiligt gewesen. Nachdem ich mehr und mehr das Gefühl hatte, Hans-Joachim N. nutze uns – „seine“ Gefolgschaft in erster Linie dazu, seinen aufwändigen Lebensstil zu finanzieren, traten die meisten Jungs (etwa 10 Personen) aus dem Korps wieder aus – nur eine kleine Gruppe Getreuer aus Springe verblieb bei N..

Aus der ersten Idee – eine DJ“R“ (Deutsche Jugend „Rechts“) zu gründen, entstand dann die Idee und Gründung der NJD. Sowohl in Hannover als auch in Bremen bildete sich eine kleine Gruppe junger Nationaler. Leiter der Bremer Gruppe wurde mein damalig bester Freund und treuer Gefolgsmann Markus Privenau. Mit ihm gemeinsam war ich am Tage des ANS-Verbotes erstmals im Leben vorübergehend festgenommen worden, da zumindest die staatlichen Organe uns bereits ganz woanders einordneten als wir uns selbst. In den Wochen nach der Festnahme beschlossen Markus und ich einmal generell Verbindung in Richtung ex-ANS aufzunehmen.

So kam es schon bald zu einem ersten Besuch einer beeindruckenden Abordnung der Kühnen-Leute in der Villa Oppermann. Und zum Termin, an dem ich Gen.Maj.a.D. Remer eingeladen hatte – im März 1984 kam auch er: KÜHNEN. Da ich von dessen Kommen kurz vorher erfahren hatte, berieten Wolfgang G. und ich, wie das zeitgleiche Auftreten zweier so unterschiedlicher Personen organisiert werden könne. Kühnen wollte unbedingt Remer kennenlernen – aber wenn dieser von Kühnens Kommen erfahren hätte, hätte Remer abgesagt. Lösung war der Vorschlag von G., in einem Referat kurz unsere politische Haltung darzulegen und in einen „Vier Punkte Papier“ aufzuzeigen, warum es Unfug ist, dem Nationalsozialismus hinterher zu eifern. Dann wollten wir Kühnen Gelegenheit geben, zu antworten. Höhepunkt aber sollte der historische Bericht rund um die Geschehnisse des 20. Juli 1944 durch den beteiligten Augenzeugen Remer sein. Remer wurde von Kühnen und seinen etwa 30 mitgebrachten Anhängern überrascht. Also blieb er und war letztendlich auch interessiert, einmal selbst etwas von Kühnen zu hören. Kühnen wiederum ließ dem Älteren den Vortritt und Remer berichtete über sein Erleben. Fast hundert Personen drängten sich im Wohnzimmer des an sich geräumigen Hauses. (im Einzelnen werde ich das Geschehene in meiner Biographie näher beschreiben). Dann sprach Wolfgang G., ich moderierte den Abend mehr oder weniger. Als die Reihe an Kühnen war, der natürlich durch seine mitgebrachten Anhänger auch für zustimmendes Publikum gesorgt hatte, zog dieser in Minuten alle Anwesenden in seinen Bann. Wer Michael Kühnen, ob als Anhänger oder Gegner, einmal persönlich erlebt hat, kann mich verstehen. In weniger als 45 Minuten hatte er alle Anwesenden für sich gewonnen. Ich war begeistert und hatte das Gefühl, dass mir jemand aus Seele und Herz gesprochen hatte. Ja – ich empfand das inbrünstige Auftreten von Kühnen wie eine Offenbarung. Höhepunkt aber wurde ein spontaner, ungeplanter öffentlicher Auftritt bei einer zufällig am selben Abend stattfindenden Podiumsdiskussion im Raschplatz-Kino zum Film „Die Erben“. (österreichischer Kino-Film zum Thema NeoNazis). Schon wenige Wochen später nahm ich Kühnens Einladung an und fuhr per Anhalter alleine (ich meine, nach Speyer ?!) zum Jahrestreffen der HNG. Dort traf ich nicht nur erstmals die „Creme de la Cre me“ der Neo-Nazi Szene, sondern erlebte auch erstmalig das Aufeinanderprallen von „linken“ Kräften, staatlichen Organen und NeoNazis. Von hier ab überschlugen sich die Ereignisse, die mich für die kommenden Jahre fast Sekten-gleich in die braune Szene einbanden.
[Anmerkung zum Begriff „ORTHODOXER NATIONALSOZIALISMUS“: Dieser Terminus wurde von mir damals als Gegenthese zum Röhm’schen, bzw. sozialrevolutionären Nationalsozialismus Kühnens, geprägt. Als Antwort auf das Denkpapier von Walther Kexel und Ottfried Hepp, die eine Abkehr vom Hitlerismus forderten, war für mich NS von seinem „Schöpfer“ Hitler untrennbar.]

[Der Spiegel:] Dem huldigt er seitdem „bedingungslos“. Antisemitismus ist für ihn ein „absolutes Axiom“, zur „Endlösung der Judenfrage“ hatte er 1988 eine weitere „schlagartige“ Erleuchtung: die Begegnung mit dem nazistischen Deutsch-Kanadier Ernst Zündel, 53, der aus Toronto die halbe Welt mit Pamphleten über die „Auschwitz-Lüge“ überschwemmt.

[Althans:] Ich hatte mich entschieden! Aber auch meine Gefolgschaft zu Kühnen wurde von Anfang an heftig erschüttert durch An- und Übergriffe aus den eigenen Reihen. Nicht nur im Alltag, sondern auch ideologisch war ich alles andere als folgsam. Als ich durch den damaligen Hannoveraner Kameradschaftsführer Roland B. dem ehemaligen NS-Funktionär Willi Krämer,88 vorgestellt wurde, fand dieser sofort Gefallen an mir und lud mich ein, bei regelmäßigen Besuchen mehr über die Ideologie des NS und seine (Krämers) metaphysische Philosophie zu erfahren.
Den zuvor gebrauchten Begriff „Vulgärfaschismus“, den mir DER SPIEGEL in den Mund legt, stammt nicht von mir. Bei meinen Besuchen in Göttingen erklärte mir Krämer, der zehn Jahre zuvor Schulungen dieser Art auch mit Kühnen gemacht hatte, weshalb er Kühnens Interpretation eines Röhm’schen Nationalsozialismus ablehnte. Ich folgte damals Krämers Ansichten. Obwohl ich mich mit den ideologischen Schritten der INS (Initiative gegen das NS-Verbot) und dem darin beschriebenen 4-Stufenplan Kühnens absolut identifizierte, lehnte ich dessen „SA – Röhm – Zweite Revolution – Theorie“ ab.

„Bedingungslos“ habe ich nie im Leben gehandelt. Bei allem internen Streit aber war es damals keine Frage , nach außen einig und geschlossen aufzutreten. Dass man sich dadurch auch mit Menschen gleichstellte, mit denen man im normalen, eigenen Leben eher nichts zu tun haben wollte, ist wiederum nichts Ungewöhnliches. Auch jede andere politische Partei oder Bewegung kennt Flügelkämpfe und interne Fraktionen. Beschämend – wenn man in der Bewertung des Einen den Maßstab eines anderen anlegt. Ohne mich zu tief in die Ideologie-Debatte zu verlieren sei zur Unterstellung „meines absoluten Axioms – der ENDLÖSUNG DER JUDENFRAGE“ nur sehr wenig angemerkt:
1. AXIOM – laut Wikipedia (Zitat:)
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. – (weiter:) Ein Axiom ist ein Grundsatz einer Theorie, einer Wissenschaft oder eines axiomatischen Systems, der innerhalb dieses Systems nicht begründet oder deduktiv abgeleitet wird. Quelle/mehr: http://de.wikipedia.org/wiki/Axiom
2. Der ANTISEMITISMUS im weitesten Sinne war bzw. ist natürlich Bestandteil der NS-Ideologie. Eine Verallgemeinerung der inhaltlichen Ausrichtung kann allerdings nicht stattfinden. Das in der Sache das provokativste Potential des politischen Streites liegt, ist zweifelsfrei. Problematisch aber war (und ist es leider noch heute), dass die politischen Gegner den Neonazis automatisch „Hass auf Juden“ und „gewollte (physische) Bekämpfung und/oder Vernichtung“ unterstellen. Natürlich gab und gibt es in der NS-Szene Menschen mit unerträglichen Ansichten und mehr als ekelhaften Aussagen. Und – natürlich war es auch im Revisionismus üblich, verbal und schriftlich Grenzen zu übertreten, um gewollte Aufmerksamkeit zu provozieren.
3. Der Neonazismus ist eine „GEGEN“-Bewegung. Sie basiert auf Ablehnung (bis hin zum Hass und Gewalt), der sich oftmals aus der (geistigen, wirtschaftlichen und realpolitischen) Armut und Hilflosigkeit des Einzelnen nährt.Aber genau diese „GEGEN“ wollte ich damals durch ein „FÜR“ austauschen. Und genau das machte mich (scheinbar) gefährlich.
Es gab damals generelle ideologische Grundpfeiler, die man mehr oder weniger simplifiziert eben akzeptierte (was auch dem jugendlichen Alter und Denken entspricht), jeder aber hat sich diese Ansichten mehr oder weniger seinem eigenen Denkvermögen und Thesen selbst definiert.

Für mich war es bereits politisch nicht vertretbar, dass man Menschen wegen ihrer Religion zwingt, diese durch Tragen eines Zeichens an der Kleidung zu brandmarken. Der JUDENSTERN wäre, wenn ich als Anhänger Hitlers im „Dritten Reich“ gelebt hätte, genug Anlass des Protestes für mich gewesen. (Klar – was mir dann passiert wäre).

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Der Laden Herzog-Heinrich-Str. 30 in München


Ernst Zündel, den ich erstmals im Januar 1988 in Toronto traf,
lud mich zuerst gleich wieder aus, da ihm ein „Kamerad“ berichtet hatte, ich sei ein Verfassungsschutz-Spitzel! Während meines ersten Besuches war es überhaupt nicht das politische Wollen Zündels oder das „Auschwitz-Thema“, sondern ein menschliches Ereignis, dessen gemeinsames Erleben uns miteinander verband: Uwe Börner*2, der für Zündel seit etwa fünf Jahren wie ein Sohn geworden war, und der mir nicht nur mittlerweile als engster Freund und Vertrauter, sondern auch stellvertretender DJBW-Leiter zur Seite stand, hatte sich während meines Aufenthaltes in Kanada das Leben genommen.
Nachdem ich unmittelbar bei meiner Rückkehr nach Huglfing wieder einmal durch eine Razzia komplett allen Eigentums entledigt worden war, schlug Zündel mir vor, zurück nach Toronto zu kommen und weiter im Team rund um das aufwendige Verfahren mitzuhelfen. Und es waren die Freiheiten, die er mir – im Gegensatz zu den „Kameraden“ in Deutschland – einräumte, es war aber auch meine politische und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, die letztendlich dazu führten, dass Zündel mich sogar gegen Gehalt anheuerte. Erstmals konnte ich aufgrund eigener regelmäßiger Einnahmen eigene Entscheidungen treffen und beschloss, nach München zu ziehen. Nachdem ein enger, vermögender Freund (Reinhard R.), in München ursprüngliche ein für die REPUBLIKANER gedachtes Ladengeschäft angemietet hatte, was diese aber nicht nutzen wollten, bot sich über mich für Zündel die einmalige Gelegenheit, für gutes Geld einen eigenen Stützpunkt – das AVÖ – zu errichten. Ganz im Gegenteil zu den bisher üblichen Versteck-spielen und dem „sich verbarrikadieren“ sollte hier ein Objekt inmitten der Öffentlichkeit und für jeden offen Zugang zu Neonazismus (dem ich ja noch zugehörig war) und Revisionismus (den ich gerade erst für mich entdeckte) geben. Das Konzept ging auf.

Muc AVÖ Ernst u Rieger 1

Ernst Zündel, Rechtsanwalt Jürgen Rieger und Althans im AVÖ Büro – 1991

[Der Spiegel:] Althans wurde Zündels deutscher Verbindungsmann. Er organisierte im März vergangenen Jahres den sogenannten Leuchter-Kongress, der im Münchner Deutschen Museum stattfinden und beweisen sollte, dass die Vergasung der Juden in den Konzentrationslagern der Nazis schon „exekutionstechnisch“ unmöglich gewesen sei. Der Kongreß wurde verboten, die Münchner Staatsanwaltschaft beschlagnahmte im Althans-Büro über 200 Videokassetten und Unmengen von Nazi-Literatur.

Leuchterkongress

Althans spricht auf der Mahnwache vor dem DEUTSCHEN MUSEUM – Leuchter-Kongress 1992

[Althans:] Auch der Leuchter-Kongress, wie er später genannt wurde, stellt sich bei näherer Betrachtung ganz anders dar als im DER SPIEGEL beschrieben. Mit der systematischen Kampagne um den sogenannten Leuchter-Report weitete sich die Revisionismus-Debatte erstmals in die breite Öffentlichkeit aus. Am 16. Januar 1991 schloss ich mit dem DEUTSCHEN MUSEUM einen Vertrag für den internationalen Kongress

WAHRHEIT – FREIHEIT – RECHT
Erste internationale Jahrestagung kritischer Zeitgenossen!

Über die Dokumente und Details liegt ein fast 500-seitiger Abschluss-Bericht vor. Eine inhaltliche Auswertung wird sich in meiner Biografie finden. Je näher der Termin kam, umso höher schlugen die Wellen. Es gab nicht nur negative, sondern auch vielfältig positive Stimmen zum Ansinnen dieses Kongresses, der wohlgemerkt ein offenes Forum für ALLE sein sollte und auf dem sich Thesen und ihre Verkünder der Öffentlichkeit stellen wollten. Zu einem ersten Höhepunkt in der Mediendiskussion kam es am 14. Februar 1991 durch die Veröffentlichung eines Leserbriefs durch den ehemaligen Berliner Innensenator MdB Heinrich Lummer. Er reagierte auf einen beachtenswerten Aufsatz des Prof. Dr. Michael Wolffsohn (F.A.Z. vom 09. Feb. 1991) mit dem Titel „Zahlenspiele mit Auschwitz“ und schrieb unter anderem: [Zitat] „Es sollte die Zeit gekommen sein für die Fähigkeit zu einer wissenschaftlich objektiven Betrachtung. So mancher Politiker hat mit Rücksicht auf den Vorsitzenden des Zentralrates der Juden (Heinz Galinski, Anm.) die Wahrheit herunter geschluckt. Dies hilft auf Dauer niemandem.“ [Zitat Ende] Der gesamte Leserbrief ist in der F.A.Z. vom Donnerstag, den 14. Februar 1991 – Nr. 38 / Seite 13 nachzulesen. Der Kongress selbst wollte sich nicht – wie vom DER SPIEGEL behauptet – dem Nachweis des o.E. widmen. Aber er wollte die durch die Umbrüche in Osteuropa geradezu epochalen neuen Erkenntnisse zu historischen Ereignissen verkünden.

Unwahr ist, dass es im Zusammenhang mit dem Kongress selbst zu Hausdurchsuchungen kam. Allerdings sei an dieser Stelle angemerkt, dass ich in meinem Leben sage und schreibe 68 (!!!) Hausdurchsuchungen erlebt habe. Dass ich nur ein einziges Mal in Haft war (und das OHNE eine einzige Haussuchung in Sachen Bohnengel-Film) sagt so einiges aus. Das Münchner Kreisverwaltungsreferat verbot also die Veranstaltung drei Tage vor dem Termin. Ein hektischer Kampf vor den bayrischen Gerichten entbrannte, die einschlägigen Rechtsanwälte Jürgen Rieger, Dr. Goebel und Dr. Herzogenrath-Amelungen wurden aktiv. Die Gerichte setzen Sonderschichten ein, auch Nachts wurde gearbeitet, Jürgen Rieger übernahm den Hauptteil der Vorgänge. Sicherheitshalber wurden zeitgleich mehrere Ersatzveranstaltungen angemeldet, immerhin galt es, den aus über zwanzig Ländern Angereisten eine Möglichkeit des legalen und sicheren Zusammenkommens zu bieten. Auf Drängen des Kreisverwaltungsreferates kündigte nunmehr das DEUTSCHE MUSEUM den Mietvertrag. Trotz bezahlter Miete und klarer Darlegung des Kongresses wurde behauptet, ich hätte das Haus getäuscht… die Miete von 6.000,- DM floss natürlich nie an mich zurück. In der Nacht vor der Veranstaltung kippte dann der bayrische Verwaltungsgerichtshof mit handschriftlichem Urteil per Fax vorab das Verbot der Veranstaltung:

ABSCHRIFT – des endgültigen Beschlusses des BayVGH-Senats gegen die Beschwerde der Antragsgegnerin gegen den Beschluss der BayVGH-Kammer über die Aufhebung des Verbotes der Veranstaltung

AZ. 21 CS 91.842
M 7 S 91.1151

BAYRISCHER VERWALTUNGSGERICHTSHOF

In der Verwaltungsstreitsache
Ewald Althans, Herzog Heinrich Str. 30 – 8000 München 2 – ANTRAGSTTELLER
bevollmächtigt Rechtsanwalt Jürgen Rieger (Adresse)

gegen

Landeshauptstadt München
vertreten durch den Oberbürgermeister, (Kronawitter, Anm.) ANTRAGSGEGNERIN
beteiligt: Landesanwaltschaft Bayern als Vertreter des öffentlichen Interesses

wegen

Versammlungsverbots (Antrag nach § 80 Abs. 5 VwGO);
hier: Beschwerde der Antragsgegnerin und des Vertreters des öffentlichen Interesses gegen den Beschluss des Bayrischen Verwaltungsgerichtes München vom 21. März 1991,
erlässt der Bayrische Verwaltungsgerichtshof, 21. Senat,

durch
den Vorsitzenden Richter am Verwaltungsgerichtshof NOWAK
und die Richter am Verwaltungsgerichtshof REICH und Dr. ALBRECHT
ohne mündliche Verhandlung am 21. März 1991 (meiner Erinnerung nach am späten Abend)
folgenden

BESCHLUSS:

I. Die Beschwerde wird aus den zutreffenden Gründen des angefochtenen Beschlusses, auf die der Senat zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen Bezug nimmt, zurückgewiesen (§122 Abs. 2 Satz 3 VwGO). Ergänzend wird noch folgendes ausgeführt: Der Senat teilt die Bedenken der Kammer, dass aus den festgestellten wenig konkreten Tatsachen nicht mit der vom Bundesverfassungsgericht für erforderlich gehaltenen hohen Wahrscheinlichkeit auf die Begehung von Straftaten im Sinne von § 5 Nr. 4 VersG in Verbindung mit §§ 130, 185, 189 und 194 StGB geschlossen werden kann (BVerfG Beschluß vom 14. Mai 1985 in BayVBI 1985, Seite 589 ff.) In dieser Auffassung wird der Senat dadurch bestärkt, dass der bevollmächtigte Rechtsanwalt und Rechtsberater des Veranstalters dem Senat im Rahmen der Anhörung fernmündlich glaubhaft versichert hat, dass er selbst zu Beginn der Veranstaltung den ausländischen Rednern klarmachen werde, dass sie den Rahmen der deutschen Strafgesetze unbedingt beachten müssten, wenn nicht die Versammlung aufgelöst werden sollte. Andererseits kann aus der einmaligen rechtskräftigen Verurteilung des Veranstalters durch das Amtsgericht München wegen Beihilfe zur Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener anlässlich der Versammlung im Löwenbräukeller in München am 21. April 1990 geschlossen werden, er sei durch dieses Urteil hinreichend verwarnt. Deshalb liegt ein erneuter Verstoß des Herrn Althans gegen die Pflichten eines Veranstalters nicht nahe.

II. Die Antragsgegnerin sowie der Vertreter des öffentlichen Interesses haben die Kosten des Beschwerdeverfahrens je zur Hälfte zu tragen (§ 154 Abs. 2 VwGO).

III. Der Streitwert für das Beschwerdeverfahren wird auf 3.000,- DM festgesetzt.

NOWAK REICH Dr. ALBRECHT

Der Kongress war also NICHT verboten – fast eintausend Besucher standen aber ohne Saal da. Was lag näher, als dagegen vor dem geplanten Ort der Versammlung zu demonstrieren? So geschah es dann auch – auch diese „Mahnwache“ musste erlaubt werden und ALLE geladenen Referenten erhielten die Chance, sich zu den skandalösen Ereignissen zu äußern. Nur ernst Zündel nicht – dieser war, aufgrund eines Jahre zurückliegenden Vorwurfes verhaftet worden und erlebte den Kongress aus seinem Haftraum in München-Stadelheim. Tieferen Einblick in Grunde, Hintergründe und Argumente in dieser Auseinandersetzung kann dem Interessierten gewährt werden. Allein die Tatsache aber, dass der Kongress eben nicht, wie behauptet, verboten war, stellt die Sache in ein neues Licht.

[Der Spiegel:] Althans bleibt jedoch unverdrossen am Thema: Die „Lüge“ von deutscher Kriegsschuld und Holocaust will er zum ideologischen Fundament der Rechten machen – europaweit und als Beginn einer „notwendigen Intellektualisierung“.

Samisdat Propaganda 1

Von Ernst Zündel entworfenes Plakat 1990

Ihm schwebt nach dem Vorbild der 1933 gegründeten „Nationalpolitischen Erziehungsanstalten“ eine europäische „Napola“ für die „geistig dürstende Jugend“ vor, die im sächsischen Görlitz errichtet werden könnte.
Keimzelle bleibt vorerst das Deutsche Jugendbildungswerk, das bürotechnisch mit der Althans-Agentur AVÖ identisch zu sein scheint. Von dort werden auch Szeneliteratur und Videos vertrieben. So ist eine Kassette „Trauermarsch für Rainer Sonntag“, die das Andenken an den von Zuhältern in Notwehr erschossenen Dresdner Neonazi Rainer Sonntag wachhalten soll, für 35 Mark im Angebot.

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Interview während der Teilnahme am Protest- und Gedenkmarsch für Rainer Sonntag Dresden 1991

[Althans:] Drei Stichworte aus dem Spiegelartikel will ich an dieser Stelle kommentieren bzw. erklären:

1. Die „Lüge“:
Die Verwendung des Begriffes LÜGE ist heikel, provokativ und manchmal aus politischer Strategie notwendig. Revisionismus aber sollte nicht „die Lüge zur Ideologie“ (wie DER SPIEGEL behauptet) machen, sondern den sich stetig in Bewegung befindlichen Tatsachen – etwa zur Geschichte – im Rahmen der REVISION einerseits im Bewusstsein der Allgemeinheit Platz verschaffen, andererseits aber auch etwaig daraus notwendige Ablösungen von bisherigen (Rechts-)Folgen bewirken. Gerade aber im DJBW – der gemeinsamen Plattform zur Findung einer weltanschaulichen Lebensgestaltung – war Politik und politisierter Revisionismus nur ein kleiner Teil des großen Ganzen. Ich selbst bin später in meinem Berliner Staatsschutz-Prozess über das Unvermögen des mich verurteilenden Richter gestolpert. denn der mir zur Grundlage meiner Verurteilung zum Strick gewordene (dehnbare) Begriff der VERUNGLIMPFUNG sollte dafür Sorge tragen, dass Begrifflichkeit missverständlich gedeutet wurde. Aber das gilt es im Einzelnen im Kommentar zu meiner Verurteilung nachzulesen, um zu verstehen, was ich meine. https://althansinfo.wordpress.com/category/urteil-und-gegenkommentar/

2. Görlitz:
Das DJBW mit der NAPOLA zu vergleichen ist schöne Braunfärberei. Vermutlich kam diese sogar von mir, denn was den „Elite-Anspruch“ bei der Auswahl der DJBW Leute betraf, war der Anspruch durchaus ähnlich. Allerdings war ich zum Zeitpunkt des Erscheinens des hier kommentierten Artikels dabei, den Nachfolge-Geschäftsführer für den Laden einzuarbeiten. Ich hatte mein Arbeitsverhältnis mit Zündel beendet, verdiente mir mit Live-Style-Journalismus unter Pseudonym mein erstes gutes Geld. Für die Tagungen des DJBW stand in der Nähe von Linz das Schloss Hochscharten zur Verfügung und gerade waren einige meiner DJBW Freunde dabei, über den Ankauf des Anwesens in Vellexon zu verhandeln. In Görlitz, einer der schönsten Städte Deutschlands war ich auf der Suche nach einem Haus zum Ankauf für Ernst Zündel. Dieser war damals im Begriff, aus eigenen Beweggründen seine Rückkehr nach Deutschland einzuläuten. In die Stadt Görlitz hatte er sich bei einem Besuch gemeinsam mit mir kurz nach der Maueröffnung verliebt. Zumindest ein Zweitwohnsitz sollte hier entstehen.

3. „Rainer Sonntag“ und der Aufmarsch in Dresden:
Wenige Monate nach dem Beitritt der ehemaligen DDR zum Gebiet der Bundesrepublik ging es im „neuen Osten“ ziemlich chaotisch zu. Im Rahmen der sich nicht nur dort, sondern in ganz Osteuropa teils diametralen gesellschaftlichen Umwälzungen kam es teilweie „über Nacht“ zu gesellschaftlichen Veränderungen, die von der Bevölkerung nicht verstanden oder akzeptiert wurden. So kam es schon vor dem 03. Oktober in Dresden zu einem massiven Zuzug von Roma und Sinti , die sich unmittelbar mit vielfacher Kleinkriminalität negativ hervortaten. Die Polizei sah sich relativ hilflos, sodass sich aus Neonazi-Kreisen unter dem Beifall großer Teile der Anwohnerschaften eine Mentalität zur „aggressiven Bürgerwehr“ entwickelte. Rädelsführer war der gerade erst aus dem Raum Frankfurt/Main zurückgekehrte Rainer Sonntag. Dieser hatte im Westen die Gruppe um Thomas Brehl und Michael Kühnen kennen gelernt und fühlte sich nun als Sachwalter der Kühnen-Truppe im Osten. Es gelang Sonntag recht schnell, eine den damaligen Verhältnissen nach große Gruppe an jungen Extremisten an sich zu binden. Je größer die Gruppe – umso forscher ihr Auftreten. Als eines der neuen ziele wurden die, zumeist mit illegalen Menschenhandel osteuropäischer Mädchen betriebenen Bordelle, die ebenfalls im Wildwuchs den Osten überschwemmten, ausgemacht. Schon kam es zu massiven Übergriffen, sodass sich die im Hintergrund Handelnden geschäftlich bedroht fühlten. Besonders betroffen fühlten sich die ungekrönten Dresdner Rotlicht-Könige Nicolas Simeonidis und Ronny Matz. Als sich ein weiterer Angriff der Sonntag-Truppe ankündigte, bestiegen Simeonidis und Matz an ihrem Wohnort Mannheim ihren Mercedes und fuhren – eine abgesägte Schrotflinte im Kofferraum – nach Dresden, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. In Dresden angekommen trafen sie tatsächlich auf Sonntag in Begleitung einer Gruppe seiner Anhänger vor einem ihrer Bordelle – es kam zur Konfrontation, bei der die beiden Luden den Neonazi mit der besagten Schrotflinte bedrohten. Statt das Feld zu räumen rief Sonntag „Schieß- doch!“ und ging auf die beiden Zuhälter zu. Simeonidis schoss!
Anschließend flüchteten die Täter zuerst, wurden aber alsbald gefasst. Es kam zum Prozess, der berühmte Star-Anwalt Bossi vertrat die Angeklagten. Das Verfahren endete mit einem FREISPRUCH! Das Gericht hatte auf Notwehr anerkannt, obwohl die Staatsanwaltschaft mindestens eine Gewalthandlung mit Todesfolge sah und 4 1/2 Jahre Haft gefordert hatte. Schon in den Monaten zuvor hatte es einige ähnliche Übergriffe, bei denen tatsächliche oder angebliche Rechtsradikale ums Leben gekommen waren, vergleichsweise mild geendet. Die Dresdner Öffentlichkeit, aber auch der größte Teil der Presse sowie die Staatsanwaltschaft waren über den Freispruch entsetzt, und so rief Christian Worch dazu auf, eine für den 4. April 1992 angemeldete Demonstration zu unterstützen.
Worch schrieb dazu unter anderem (Zitat): „…Wir müssen uns dagegen wehren! Da wir schon in den Knast wandern,wenn wir nur den „deutschen Gruß“ machen und da man uns allein schon für den Besitz einer Schrotflinte (ohne Waffenschein) für etliche Monate einsperren würde, bleibt uns nichts als der politische Widerstand. Dieser aber muss eindrucksvoll sein, massenhaft! Wir müssen hierzu unsere Ohnmacht, unsere Zerstrittenheit überwinden. Wir müssen – zumindest nach außen – Geschlossenheit demonstrieren!…“ (Zitat Ende, Quelle Flugblatt Worch) Diesem Aufruf folgte auch ich – und es wurde die erste Veranstaltung mit weit über eintausend Teilnehmern, die ich in dieser Art erlebte.
Vielleicht sei noch meine persönliche damalige Ansicht zur Person und dem Handeln Sonntags (wie gesagt, meine private Meinung !) verdeutlicht: Unabhängig, ob die Gerüchte, Sonntag selbst habe Interesse gehabt, sich im Rotlicht-Milieu zu positionieren, wahr waren oder nicht, hielt ich ihn samt seines Auftretens schlicht für ein“ asoziales Arschloch“.
Angemerkt werden muss auch noch, dass von den drei Anmeldern nur Christian Worch wohl politischer Oppositioneller war. Sowohl Thomas Dienel, Weimar als auch Roman Dannenberg aus Hoyerswerda waren (was inzwischen bekannt ist) handelnde aktive Spitzel des Verfassungsschutzes. Ich selbst hatte „der Sache wegen“ teilgenommen und bis heute bin ich der Meinung, dass in Deutschland niemand, der mit einer abgesägten Schrotflinte 600 Kilometer fährt, um dann auf offener Straße jemanden zu erschießen, ungestraft davon kommen darf.

[Der Spiegel:] „Bei uns geht“, verrät der Bürochef, „eine Menge Geld über den Tisch“. Wieviel, sagt er nicht – nach Schätzungen von Rechtsextremismus-Experten sind es 600 000 Mark im Jahr.
Aus kleinen Anfängen kann ja mal was ganz Großes werden, und Ewald Althans hat eine Vision: Der Bolschewismus ist „erledigt“, die kapitalistischen USA werden „schon in den nächsten zehn Jahren zusammenbrechen“, nun warte „die ganze Welt auf die gigantische deutsche Macht“.
Der deutsche Staat werde an seinen Problemen mit Umwelt und Asylanten „zugrunde gehen“, prophezeit er. Dann komme seine große Stunde: „Dieser Staat ist so marode, dass man mich eines Tages bitten und betteln wird.“
Den Plan zur Machtergreifung hat der Hitler-Epigone schon in der Tasche. Als erstes will Althans die Wiederzulassung der NSDAP verlangen, um, wie 1932 und 1933, „in alle Parlamente reinzukrachen“. Althans: „Die Entwicklung läuft auf mich zu, und zwar viel zu schnell. Man wird mich auf Schultern ins Rathaus tragen.“

[Althans – abschließende Bemerkungen 20 Jahre nach dem DER SPIEGEL ARTIKEL:]
Zwischen diesem Artikel und dem ersten Interview von DU&ICH [https://althansinfo.wordpress.com/category/uncategorized/duich-interview/] liegen zehn Jahre. Und weitere zehn Jahre später – unter dem ersten DU&ICH Artikel steht der wiederum zehn Jahre später verfasste Artikel derselben Zeitung, hört es nicht auf. Und jetzt auch noch dieser Einblick / Rückblick in diese Zeit, die ja selbst nunmehr teilweise sogar 30 Jahre zurück liegt. Warum das alles? Ganz einfach: Weil Presse und Medien allgemein, insbesondere aber das alte gegnerische und teilweise auch das alte „eigene“ politische Lager nicht aufhören, hinter mir (der Medien-Person) her zu jagen. Das Internet, in dem sich in allen Sprachen der Welt lange nach dem Ende meines politischen Handelns verlogene, falsche, bedrohliche und die Privatsphäre verletzende Geschichten über mich finden, tut den Rest. Und so werde ich regelmäßig von dieser – so nicht gewesenen – Vergangenheit eingeholt mit unerträglichen Folgen. Darum will und muss ich mich wehren. Ich lebe seit zwei Jahrzehnten ein anderes Leben – ich habe mit Politik nichts mehr am Hut. Aber mein Schicksal ist auch ein Beispiel für andere, was man selbst nicht machen sollte – und, was man aber auch mit mir nicht machen sollte.

Ich war viel tiefer „drin in der Sache“ als es viele glauben, zu wissen. Und ich bin viel weiter draußen, als es sich viele zurechtlegen. Aber es gibt einen roten Faden in meinem Leben. Und dieser setzte sich in erster Linie immer aus Ablehnung von Gewalt, dem Zuhören und auch Überzeugenlassen von und mit Andersdenkenden zusammen. Zum anderen aber auch aus der scharfen Kritik an den Mängeln und Fehlern, und wenn von Dingen überzeugt, für den offenen, ehrlichen Kampf um eine Sache. Es gab Gründe für jede meiner Handlungen. In jungen Jahren bin ich dabei sicher oft – dem damaligen Alter und Zeitgeist geschuldet – über das Ziel hinaus geschossen. Ich habe – bei aller Provokation immer den PENETRANTEN LEGALISMUS gepredigt, und ich wußte, das Mao Tse Tung Recht hat, wenn er sagte „Wer den Kopf über die Menge erhebt, muss sich nicht wundern, wenn er mit fauligen Tomaten beworfen wird“. In den Jahren habe ich weit über tausend Artikel über mich gesammelt. Dieser eine, hier Kommentierte zeigt, wie sehr Storys und Wirklichkeit auseinander liegen können. Ich war und bin und bleibe immer offen für Gespräche und Kritik. Leider hat man fast immer nur ÜBER mich gesprochen; bis heute traut sich niemand, MIT mir zu reden. KEINE einzige Podiumsdiskussion lud mich je zum Gespräch – warum? Bei einer Versammlung im alten Münchner Rathaus zum Thema „Über die Schwierigkeiten der Gesellschaft, mit NeoNazis zu reden“ erschien ich Anfang der 90er mit einer Begleitperson. Als ich im Rahmen der Diskussion vor 500 Anwesenden das Wort ergriff, und den einzigen Satz äußerte: „Warum traut Ihr Euch nicht, mit mir zu reden?“, riß der entsetzte Giovanni di Lorenzo die Kabel aus den Steckdosen, Tumult brach aus, ich wurde von allen Seiten angegriffen (körperlich) und die Polizei rettete mich. Die besonders aggressiven Schläger, die man kurzfristig zur Feststellung der Personalien festgenommen hatten, entpuppten sich als evangelischer Pfarrer, Sozialkundelehrer und Sozialarbeiter ….. Ich habe dutzende von Verfahren und unendliche Verfolgung erlebt. Fast alle Verfahren gewann ich. Erst und einzig der Bohnengel-Film, auf dessen Zusammenschnitt ich keinerlei Einfluss hatte, brachte mich in Haft. Auf mich ist geschossen worden, ich bin vielfach körperlich angegriffen und zusammengeschlagen worden – zuletzt lagen vor meinem damaligen Münchner Laden Rohrbomben mit Schrauben gefüllt mit Bekenner-schreiben der Roten Zellen. Die Liste des Erlebten ist unendlich lang ….
Immer wieder sagte ich: Das objektive Unrecht, dass ich erlitt, berechtigte mich subjektiv zu meinen Handlungen.
Es war und ist meine innere Ansicht gewesen, dass es eines jeden Menschen Pflicht ist, wenn er etwas als Unrecht oder falsch ansieht, den Mund aufzumachen, zu handeln und aber auch zu seinen Handlungen zu stehen. Ansichten und Überzeugungen waren bei mit Zeit meines Lebens das Ergebnis von langen Denk- und Veränderungsprozessen. Wie Millionen andere Deutsche und Menschen aus der ganzen Welt bin auch ich für eine Zeit lang der Faszination des Nationalsozialismus erlegen. Die Welt hat sich weiter gedreht. Aus Wissen und Wissenschaft haben sich weiter entwickelt. Vor allem aber bin ich selbst zu einem reifen Menschen geworden, dessen Gesamtperson heute wohl eher zu den bevorzugten Opfern meines damaligen Umfeldes gehört. Damit meine ich nicht meine Homosexualität allein sondern auch. Soviel für heute – damit hoffe ich, dass viele schlaflose Nächte, die ich in den letzten Wochen durchlebte, ein Ende finden.

*1 Volker Heidel
…wurde nach politischer Haft 1984 aus der JVA Celle entlassen und begann sofort als mein „Vorgesetzter“ zu arbeiten. Zuerst in der obersten Führungsebene der „Kühnen-Truppe“ – dann im Rahmen der „Schwulendebatte“ als treibende Kraft der Spaltung war er der Stellvertreter Jürgen Moslers. Ich blieb an der Seite Heidels, der in Hannover saß – während ich nach Bayern umzog. Heidel starb Anfang der 90er Jahre an einer Immunschwäche.

*2 Uwe Börner
…wurde nach vier Jahren Stasi-Haft wegen „versuchter Republikflucht“ in Bautzen in den 70ern von der BRD frei gekauft. Dort angekommen lernte er 1983 Ernst Zündel und 1984 mich kennen. Er wurde stellvertretender Leiter des DJBW, wegen seiner Herkunft setzte ihn Michael Kühnen geheim als sogenannten Sonder-Referatsleiter Ost ein. In diesem Rahmen organisierte Börner die Weitergabe von Material über/in Prag. Wegen drohender Haft aufgrund diverser Propaganda-Delikte im Zusammenhang mit Aktionen zur Freilassung von Rudolf Hess (und seiner Angst vor Gefängnissen durch die Traumatisierung in Bautzen) floh Uwe Börner nach Dänemark zu Thies Christopherson. Dort aber wurde er nicht heimisch und bereitete seinem Leben durch Selbstvergasung im Januar 1988 ein Ende.

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ROSTOCK-LICHTENHAGEN 1992

19 Jan

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Althans in Rostock – Wochen nach den Ausschreitungen

WIE GERÜCHTE ENTSTEHEN –

LÜGT DAS „NEUE DEUTSCHLAND“ ???

Das Jahr 1992 war ein Jahr der Umbrüche und Grundsatzentscheidungen für mich. Viele Dinge – die scheinbar unvereinbar waren – fanden zeitgleich statt. Nur in ihrer Gesamtheit werden sie verständlich. Mein „Coming-Out“, dass mir mein Partner, von dem ich mich zuvor aber bereits getrennt hatte, als notwendigen Schritt empfohlen hatte, wurde durchkreuzt durch die Beziehung zu Silke. In friedlichem Einvernehmen beendete ich das Arbeits- und damit das Einkommensverhältnis mit Ernst Zündel. Noch war der Plan, mit Stephan Niemann, den ich aus der Bildungsarbeit im DJBW schätzen gelernt hatte, einen nachfolgenden Geschäftsführer im Laden Herzog-Heinrich-Straße zu finden. Doch bereits im Sommer zog sich dieser aus der Position zurück, Stefan Wiesel entschied sich, mit eigenen privaten Mitteln nunmehr in den Räumen eine Buchhandlung zu eröffnen. Fälschlich vermutet man bis heute, dass beide Personen Strohmänner für mich gewesen sein sollen. Tatsache jedoch ist, dass die Zerwürfnisse, die meiner immer stärkeren Distanzierung zur aktiven Szene folgten, sogar zu meinem Hausverbot im ehemaligen AVÖ führten.

Die massiven Proteste gegen die bundesdeutsche Asyl-Politik, insbesondere in das nach Quoten berechnete Verteilen der zu dieser Zeit in großer Zahl nach Deutschland einreisenden Immigranten, führte in den neuen Bundesländern unter anderem zu einem tragischen, neuen Höhepunkt der rassistischen Gewalt: Rostock-Lichtenhagen! Während dieser Zeit fanden auch die Dreharbeiten mit Winfried Bohnengel des später für mich so verhängnisvollen Films, der unter dem Namen „Beruf NeoNazi“ veröffentlicht wurde, statt. Es ist nunmehr notwendig geworden, dass ich zu den Ereignissen in Rostock Stellung beziehe, da ich zuvor bereits immer wieder indirekt mit diesen Ereignissen in Verbindung gebracht wurde, sich nun aber erstmals mit Veröffentlichung im ND eine Spur der Unwahrheit konkret beweisen lässt.

In seiner Ausgabe vom 23. August 2012 – also 20 Jahre nach dem Geschehenen, schreibt der Autor Velten Schäfer, geb. Konstanz am Bodensee* :
QUELLE: http://www.neues-deutschland.de/artikel/236341.chronik-eines-pogroms-sonntag-23-august-1992.html

(Zitat Anfang – Das Zitat steht in KURSIV, wird aber von meinen Anmerkungen unterbrochen)

Chronik eines Pogroms: Sonntag, 23. August 1992

Nachdem die Attacken am Samstag fast ungestört stattfinden konnten, fühlen sich die Rassisten auf der Siegerstraße. Ab Sonntag, dem 23. August, mobilisieren die Neonazis in ganz Nord- und Ostdeutschland, straff organisiert über CB-Funk – und teils bereits unter Verwendung moderner Kommunikationsmethoden wie Mailboxen.

Vor dem Sonnenblumenhaus trifft sich die gesamte Führerkaste der bundesdeutschen Menschenhasserszene: Bela Ewald Althans von der »Gesinnungsgemeinschaft der neuen Front«, Christian Worch, der »Erbe« von Ober-Nazi Michael Kühnen, Christian Malcoci von der »Hilfsgemeinschaft für nationale Gefangene«, Michael Büttner von der »Deutschen Alternative« aus Cottbus, der Nazi-Terrorist Arnulf Priem und sogar der österreichische »Wehrsport«-Führer Gerhard Endress und der schwedische Spitzenkader des »Weißen arischen Widerstands«, Erik Rundquist, werden vor dem Haus von Beobachtern identifiziert. In Lichtenhagen fallen zahlreiche Autos mit auswärtigen Kennzeichen auf, viele davon aus dem Westen.

Diese Darstellung entspricht nicht der Wahrheit. Wahr ist, dass sich der zuspitzende Konflikt zwischen den Anwohnern der Plattenbau-Siedlung Rostock-Lichtenhagen und den Bewohnern der dortigen Asylanten-Sammelstelle ohne jegliches Zutun der „rechten Szene“ entwickelten. Nach meinem Wissen, was aus Gesprächen nach den Ereignissen mit Menschen vor Ort stammt, soll sich das Drama insbesondere um eine „Trinkhalle/Grillbude“ vor dem Asylheim entwickelt haben. Dort trafen einerseits Menschen, die ihre Zeit und Arbeitslosigkeit mit dem Trinken von Alkohol an besagter Trinkhalle verbrachten und gleichfalls relativ konfliktfreudige Angehörige der Roma und Sinti aufeinander. Diese machten sich zudem im Supermarkt „um die Ecke“ durch vielfachen Diebstahl derart unbeliebt, dass sich wiederum im Umfeld auch vieler Anwohner berechtigt sahen, „etwas zu tun“. Nach dem relativ fruchtlosen Einschreiten der Polizei, die bei kleineren Delikten wie Diebstahl außer dem Feststellen der Personalien nicht allzu viel tun kann, kam es wiederholt zu kleineren Übergriffen, vornehmlich von Seiten der Anwohner und Stamm-Besucher der Besagten Trinkhalle. Um dem Einhalt zu gebieten, wurden fast alle Bewohner des Asylheimes in eine andere Aufnahmestelle in der Nähe verlegt… Zu dieser Zeit etwa formierte sich eine immer größere Menge Anwohner, die nunmehr sicher gehen wollten, dass das bisherige Asylbewerberheim nie mehr in Zukunft als solches genutzt würde. Alkohol tat sein Bestes, um das Niveau immer tiefer sinken, die Aggressionen aber immer höher steigen zu lassen. Die Situation eskalierte in den bekannten Bildern: Sich selbst einpissende Betrunkene reckten erfreut die Hand zum „deutschen Gruß“, Molotow-Cocktails wurden geworfen…

Welche unrühmliche Rolle die Medien beim Schüren der Stimmung und beim Schaffen eines Symbols hier hatten, sollen andere aufklären. Jedenfalls wurde die politische Szene (insbesondere im neonazistischen Lager) vollkommen von diesen Ereignissen überrascht. Das „straff organisierte Mobilisieren“ der Szene allerdings fand nicht statt – wenngleich auch die ein oder anderen Personen nunmehr glaubten, in dieser „Bürgerwehr“ einen Ansatz für das Finden von Anhängern der eigenen Sache ausmachen zu können. Die im ND beschriebenen spektakulären Mittel wie „Mailboxen“ bedürfen wohl kaum des Kommentars, außer:

Ich selbt habe zu diesem Zeit noch keinen Computer besessen! Und – ein CB-Funkgerät habe ich zu keinem Zeitpunkt meines Lebens bedient.

Vor dem Sonnenblumenhaus traf sich also niemand – meines Wissens fand die hier angedeutete Neonazi-Zusammenkunft überhaupt nicht statt. Zumindest ich war nicht dabei!

Zur Namensliste sei im Einzelnen angemerkt:

B. Ewald Althans – Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front – GdNF
Mit diesem „Gütesiegel“ soll mir wohl meine Gesinnung gebrandmarkt werden. Die GdNF war 1983 unmittelbar nach dem ANS-Verbot durch Michael Kühnen und Michel Caignet ins Leben gerufen worden. Mit ihr sollten mittels Leserkreise rund um das Blättchen NEUE FRONT die Basisstrukturen der lokalen Kameradschaften zusammengehalten werden. Mit der „Schwulen-Debatte“ im Jahr 1985 bereits verließ ich die GdNF. Das heißt, die von Kühnen – denn mit der Spaltung der Szene formte sich um Jürgen Mosler eine zweite GdNF. Doch auch aus dieser zog ich mich bereits zwei Jahre später zurück, da ich mich insbesondere von Anfang an mit dem mir in Bayern vorgesetzten Friedhelm Busse nicht „grün“ werden konnte. 1992 – in Rostock – war ich also seit nunmehr fünfeinhalb Jahren Ex-GdNF-Mann.

Ob die weiteren Personen damals überhaupt in Rostock waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Definitiv aber wären etwa Christian Worch und Christian Malcocci nicht gemeinsam zu diesem Zeitpunkt aufgetreten, da sie in den bereits beschriebenen verfeindeten Lagern standen. Wie das heute ist, weiß ich nicht zu beurteilen.

Büttner von der Deutschen Alternative kenne ich ebenso wenig wie Rundquist. Beide mögen mir unbewusst aber auf Veranstaltungen begegnet sein.

Spannend ist noch festzustellen, dass es angeblich „Beobachter vor Ort“ gegeben hat. Diese scheinen über erhebliches Wissen und Personenkenntnisse, so also auch über ein berechtigtes politisches Interesse zu verfügen, Dinge gewollt und wissentlich falsch darzustellen. Sonst wäre die beschriebene „organisierte Aktion“, die den spontanen Eskalationen in Rostock den Anschein einer Veranstaltung erst durch das Benennen angeblicher Organisatoren wie mir gab,auf der ich jedoch nicht gewesen bin, nicht erfunden worden.

Am Sonntag beginnen die Ausschreitungen bereits am Nachmittag. An einem Imbissstand kann man sich sogar mit Bier versorgen. Laut Polizei greifen etwa 500 Personen das Sonnenblumenhaus an – diesmal nicht nur die ZASt, sondern auch bereits das im Nachbaraufgang gelegene Wohnheim für die vietnamesischen Vertragsarbeiter. 3000 bis 5000 Anwohner sehen zu, applaudieren oder rufen Parolen. Immer wieder ermöglichen sie den Angreifern einen Rückzug in ihre Reihen.

Die Polizei setzt nicht nach und versucht auch nicht, die Menge wegzutreiben. Dazu ist sie auch gar nicht in der Lage: Obwohl allein zur Polizeidirektion Rostock damals über 1000 Beamte zählen, sind am Samstag gerade mal drei Dutzend Polizisten mit Mütze und Kurzarmhemd eingesetzt, die von den Randalierern teils übel verprügelt werden. Erst tief in der Nacht zum Sonntag treffen zwei Wasserwerfer ein.

Auch am Sonntag ist die Polizei so gut wie hilflos gegen die rassistischen Randalierer. Doch gegen 22 Uhr, als rund 200 Linke in einem friedlichen Demo-Zug vor die ZASt ziehen wollen, werden sie kurzzeitig aktiv und verhaften rund 60 linke Demonstranten – die vor laufenden Kameras gefesselt als »Randalierer« abgeführt werden.

Unmittelbar danach verstärken die Rechten ihre Angriffe auf die Polizei, die mit Steinen und Leuchtspurmunition eingedeckt wird. Erst jetzt wird ein landesweiter Alarm ausgelöst und werden erfahrene Hamburger Kräfte teils mit Grenzschutz-Hubschraubern eingeflogen. Dann erst endet die Gewalt – für diesen Abend.
(Zitat Ende)

Soweit der Artikel aus dem ND. Die Schilderungen des zweiten Zitat-Teils dürften in etwa der Wahrheit, wenn auch nicht der Vollständigkeit entsprechen. Betont werden muss aber noch einmal, dass während dieser hier geschilderten Ausschreitungen keine einzige der zuvor namentlich genannten Personen anwesend war. Der Mob setzte sich ausschließlich aus der vor Ort lebenden Anwohnerschaft zusammen. Dass es bei der Demonstration der Linken (Autonomen) zu Verhaftungen kam, ist der Tatsache geschuldet, dass diese Demonstration eben NICHT friedlich ablief, sondern – wie bei dieser Art Demonstrationen durchaus üblich – gewalttätig; dabei die Polizei/Rechtsstaat einerseits und Mob/NeoNazis andererseits in einen Topf zu werfen und als Feinbild zu pflegen.

Die wahre Geschichte meines Rostock-Besuches spielte sich folgendermaßen ab:

Nach Beendigung der Dreharbeiten mit Winfried Bohnengel und Ingo Hasselbach in München fuhren der Nachfolge-Geschäftsführer meines Münchner Ladens, Stephan Niemann und ich gemeinsam mit Bohnengel, der Crew und Ingo nach Berlin, um dort Jens Pf., den Halbbruder Ingos zu treffen. Hasselbach selbst lernte ich erst durch Bohnengel kennen – zuvor war er mir nur aus den Medien bekannt. Ich behaupte, dass wir uns damals als „Suchende“ trafen – einig, das sich etwas in Deutschland ändern muss – aber auch einig, dass es so – wie derzeitig in der „eigenen“ Szene, nicht geht. Dass Hasselbach und ich uns bisher nicht begegnet waren, lag daran, dass wir zwar im weitesten Sinn im gleichen politischen Fahrwasser trieben, aber dennoch unterschiedliche Wege gingen: Hasselbach war wesentlicher Nach-Wende-Gefolgsmann Michael Kühnens, von dem ich mich ja vor nunmehr acht Jahren getrennt hatte.

Rostock Hasselbach 2

Ingo Hasselbach, Stefan Niemann, Norbert Weidner und Althans

An dieser Stelle möchte ich das Wort direkt an Ingo Hasselbach abgeben, der in seinem Buch „Die Abrechnung“ (Aufbau-Verlag) – auch ein weiteres Foto aus der hier veröffentlichten Strecke abgedruckt hat. Er schreibt auf Seite 146: [Zitat] „Von den Dreharbeiten zu BERUF NEONAZI weg fuhren Althans und ich (zusammen mit Stephan Niemann, Anm. Althans) gemeinsam nach Rostock, dort waren die Krawalle seit Tagen im Gange. Wir wollten sehen, was dort wirklich los war.Wir gaben ein paar Interviews, und ich fuhr zurück nach Berlin. (Wir fuhren m.E. nach zusammen zurück… Anm. Althans) Pressemeldungen von damals, Rostock sei überregional geplant gewesen, kann ich nicht bestätigen. Und auch der Drahtzieher von Rostock, wie eine Berliner Zeitung schrieb, war ich nicht.“
[Zitat Ende]

Vor Ort trafen wir auf Norbert Weidner, der zu dieser Zeit treuester Gefolgsmann von Friedhelm Busse, und führender Mann der nunmehr von Busse geführten FAP war. Auch Weidner war aus Bonn angereist, weil er vor Ort sehen wollte, was hier überhaupt ablief. Hintergedanke war natürlich in seinem Fall, eine Zelle für die FAP vor Ort zu gründen und dafür passende Leute zu finden. Es gelang ihm jedoch meiner Erinnerung nach nicht. Von der FAP hatte ich mich fünf Jahre zuvor getrennt, die Auseinandersetzungen mit Friedhelm Busse und mir waren zwischenzeitlich sogar häufig körperlicher Art. Von „Zusammenarbeit“ also keine Spur.

Rostock DER STERN

Interview mit „DER STERN“

Irgendwo – vermutlich in meinen Archiven in Amsterdam – befindet sich der Mitschnitt dieses Gespräches. Eine Reporterin des STERN, eine Reihe junger Anwohner und die zuvor beschriebenen vier Personen redeten friedlich über Ursachen und Hintergründe der Ausschreitungen. Ich vertrat dabei die folgende Ansicht:

„Sieg Heil“ – Schreien ist die lauteste Art, in Deutschland, „Scheiße“ zu rufen!

Das Thema „Überfremdung“ spielte seit langer Zeit keine Rolle in meinem eigenen politischen Handeln. Im Mittelpunkt stand bei mir einerseits der Revisionismus, andererseits die nunmehr erstmals möglich gewordene Volkstumsarbeit für Deutsche in Osteuropa. Darüber an anderer Stelle später mehr. Ausländer, aus aller Herren Länder, gingen bei mir in München ein und aus. Absurderweise wurden griechische Gäste von mir Opfer fremdenfeindlicher Übergriffe – und wenn die politische Linke wieder einmal den Münchner Laden belagerte, waren es Serben, Pakistaner und ein islamischer Geistlicher der Freisinger Moschee mit seine Familie, die uns mit dem Notwendigsten (Essen usw.) versorgten. Der Laden – der sich zu dieser Zeit zwar ständigen Angriffen des politischen Gegners ausgesetzt sah, war eigentlich geschlossen und leer (zu sehen im Film von Bohnengel). Zum Thema GEWALT hing folgender Aushang auf DinA 3 vergrößert, lange Zeit im Schaufenster Herzog Heinrich Straße 30:

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ALTHANS ERKLÄRUNG

Der Besuch in Rostock dauerte keine vier Stunden. Weder vorher noch hinterher war ich bis heute je wieder in der Ostsee-Metropole – ich kannte und kenne niemanden vor Ort. Für die Eskalation und die Angriffe aus den Reihen der Anwohner der Plattenbau-Siedlung Lichtenhagen (die ich als extrem trostlos in Erinnerung habe) habe ich niemals Sympathien gehegt. Auch das Verständnis der „Rechten“ für die Ausschreitungen und Erklärungsversuche habe ich nicht billigen können. Fakt ist, dass die damals politisch und polizeilich Verantwortlichen zeitweise vollkommen überfordert waren, richtig zu handeln. Fakt ist, dass sich die gewalttätig Protestierenden der Parolen und Symbole der Ihnen so aus den Medien dargestellten „Rechten“ bedienten. Fakt ist, dass das „rechte“ politische Lager sich nicht von diesen Dingen distanzierte.

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TÄTER oder OPFER ?! – R-Lichtenhagen 1992

Abschließend ein interessanter Artikel aus der Washington Post, der „bemängelt“, dass die Zahlen der „rassistischen Übergriffe“ (Verglichen am Beispiel mit Großbritannien) und deren mediale Darstellung weit voneinander abweichen. Begründet wird es mit der besonderen „historischen Verantwortung“, tatsächlich war 1992 die tatsächliche Zahl entsprechender Übergriffe und erfasster Straftaten etwa in England drei Mal so hoch wie in deutschland.

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Sammlung Althans im INTERNATIONALEN INSTITUT FÜR SOZIALE GESCHICHTE Amsterdam

4 Mai

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DUTCH PRESS – NL PERS / PRESSE

Collectie Bernd Ewald Althans

In 2000 ontving het Instituut naast een groot deel van het archief, een uitgebreide collectie boeken, brochures, video- en geluidscassettes van Bernd Ewald Althans. In de jaren tachtig was Althans een vooraanstaand lid*1 van verschillende extreem-rechtse organisaties in Duitsland. In 1990 organiseerde hij in München het congres ‚Wahrheit macht frei‘, dat een hoogtepunt vormde in de geschiedenis van het ‚revisionisme‘, de beweging die de holocaust ontkent of bagatelliseert*2. In 1995 kreeg hij in bredere kring bekendheid door de televisiedocumentaire Beruf: Neo-Nazi (1996)*3. In 1995 werd hij veroordeeld tot drieëneenhalf jaar gevangenisstraf wegens ontkenning van de holocaust en volksophitsing.

Na zijn vrijlating in 1998*4 verliet hij Duitsland en begon in samenwerking met het Duitse tijdschrift Der Spiegel aan zijn memoires. In 1993 had hij zich van het neonazisme gedistantieerd. Vanaf 1990 dreef Althans in München een boekhandel met voornamelijk revisionistisch en nationaalsocialistisch propaganda- en documentatiemateriaal. Deze boekhandel, Althans Vertriebswege und Öffentlichkeitsarbeit (AVÖ), werd in 1993*5 op
last van de Duitse justitie gesloten.

Ruim 2500 boeken, talloze brochures, en verscheidene video- en geluidscassettes uit deze collectie zijn nu opgenomen in de catalogus van het Instituut. Het materiaal betreft onder meer de verheerlijking van het nazisme en zijn protagonisten, het revisionisme en de geschiedschrijving rond de Tweede Wereldoorlog. De collectie vormt een waardevolle aanvulling op de IISG-verzameling van extreem-rechts materiaal, waarmee al voor de oorlog een begin werd gemaakt en die nog geregeld wordt aangevuld door bijdragen van de Anne Frank Stichting en andere antifascistische instellingen en personen.

Het omvangrijke archief van Althans zal pas worden geordend als het laatste deel is overgedragen nadat hij zijn memoires heeft voltooid. De boeken en brochures, en het beeld- en geluidsmateriaal zijn te vinden door in de online catalogus te zoeken op collectiecode ‚Althans‘.

Tekst Angèle Janse

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MORE PRESS – Meer pers / Mehr Presse

Anmerkungen:

*1 – Ich war KEIN Mitglied, und schon gar nicht an „führender“ Stelle in rechten Gruppen. Meine Mitgliedschaft in der Wiking-Jugend mit 17 Jahren dauerte keine drei Monate, meine einzige Partei-Mitgliedschaft (in der FAP) endete nach wenigen Wochen mit Partei-Ausschluss.

*2 – Es war zu keinem Zeitpunkt meine Absicht, den Holocaust zu bagatellisieren. Revisionismus bedeutete für mich grundsätzlich auf Basis der freien Meinungsäußerung auch diese gesetzlich geschützten Tabu-Bereiche kritisch zu beäugen. Mit dem sogenannten „Leuchterkongress“ im DEUTSCHEN MUSEUM versuchte ich damals allerdings, den bis heute am extremistischen Rand der Gesellschaft hindümpelnden Revisionismus in die Mitte der Gesellschaft zu holen und so quasi „salonfähig“ zu machen.

*3 – Die Jahreszahlen sind falsch. Die DREH-Arbeiten zum KINO-Film BERUF NEONAZI (dieser sollte NICHT so heißen !!!) fanden bereits im Jahr 1992 statt. Erst ein Jahr nach meinem bereits öffentlichen Rückzug aus der Politik (!!!) kam der Film gegen meinen Willen ins Kino und unterstellte mir durch geschickten Zusammenschnitt Ansichten, die ich in dieser Art niemals vertreten habe. Erstmals führten diese Verdrehungen zur Inhaftierung ; was mein eigenes Handeln nie bewirkte, schaffte die üble Darstellung des Filmes. Es folgten 21 Monate Untersuchungshaft unter verschärften Bedingungen für ein (mir unterstelltes) Meinungsdelikt.

*4 – Ich wurde bereits im März 1997 – nach Rechtskraft des Urteils auf HALBSTRAFE entlassen (defacto hatte ich bis auf einen Tag aber bereits die 2/3 Strafe abgesessen).

*5 – Das AVÖ wurde NICHT vom Staat geschlossen. Ich selbst habe im Rahmen der Beendigung meiner politischen Arbeit und der Tätigkeit für Ernst Zündel das AVÖ geschlossen und das Ladenlokal an einen Nachmieter, Stephan Wiesel, übergeben. Dieser eröffnete im selben Geschäft dann die HERZOG HEINRICH BUCHHANDLUNG, welche dann später von den Münchner Behörden dicht gemacht wurde.